Kinderbuch und Jugendbuch - wir behandeln alle Themen.
Intro: Die Kinderbuchpraxis. Hier behandeln Dr. Stefan und Mr. Ralf Themen rund ums Kinder- und Jugendbuch. Sie sprechen über aktuelle Entwicklungen auf dem Buchmarkt oder über Bücher. Und zwar jeden zweiten Freitag. Mr. Ralf, das ist Ralf Schweikart. Dr. Stefan, das ist Dr. Stefan Hauck. Die Kinderbuchpraxis war für euch auf der Leipziger Buchmesse unterwegs. Für diese Folge haben Dr. Stefan und Mr. Ralf... Den bekannten Autor Will Gmehling getroffen. Und nun, herzlich willkommen in der Kinderbuchpraxis.
Dr. Stefan Ja, wir sind mitten auf der Leipziger Buchmesse sind gerade in einem ruhigen Konferenzraum entflohen wegen der Aufnahme wunderbar und praktisch. Und wir begrüßen Wilk Mehling, der gerade vor einer halben Stunde noch Zwei Nominierungen eingeheimst hat, gestern Abend den Lux des Jahres für Sternsee mit: Jens Rasmus zusammen und heute war der Sternsee schon wieder beim Deutschen Jugendliteraturpreis und auf der Nominierungsliste und dazu auch noch ein zweites Buch, was auch nominiert war, aber da kommen wir gleich alles zu sprechen. Herzlich willkommen erstmal Will Kmehling. Hallo. Die erste Frage, die man, glaube ich stellen muss, jetzt innerhalb von zwei Messetagen, ich sage mal, Nominierung ist eine Ehrung das kann man nicht wegdiskutieren. Wie geht es einem da nach so zwei großen Momenten? Will Gmehling: Das muss man sich erstmal richtig einordnen und drüber schlafen. Erstmal freue ich mich, aber dann ist ein bisschen viel auf einmal. Aber ich komme wieder auf den Boden.
Mr. Ralf Also sind ja jetzt auf der Nominierungsliste auch zwei sehr unterschiedliche Bücher. Also zum einen ein Kinderbuch mit Sternsee und auf der anderen Seite ein Bilderbuch zum Thema Fußball. Fußball ist auch so ein Thema, was bei dir ab und zu mal vorkommt und das ist ja: auch ein Gedicht in lyrischer Form, gereimt. Also du bist auch jemand, der mit vielen verschiedenen Stilen und vielen verschiedenen Ansätzen unterwegs ist. Will Gmehling: Ja, das ist eigentlich so mein Credo. Ich schreibe gerne unterschiedliche Dinge. Also es ist wirklich so, wenn ich eins so geschrieben habe, dann denke ich, ich habe Lust auf einen anderen Stil auf eine andere Sprache. Also ich könnte nie immer gleichartige Klänge schreiben oder Töne schreiben, wie Leute reden oder wie der Klang des Buches ist. Es muss immer oder oft mal was Neues sein. Mr. Ralf: Aber das Thema Fußball begleitet dich schon so eine ganze Weile mit, habe ich so in dem Oeuvre gesehen. Will Gmehling: Ja, ich bin so fußballbegeistert schon seit Kindheit an und ja, es ist ein wichtiger Teil meines Lebens, Fußball. Dr. Stefan: Da muss man natürlich fragen, gibt es einen bestimmten Fußballclub, wo man sagt, da fiebert man mit? Fieberst du mit einem mit?
Will Gmehling Ja sicher, ich bin Werder Bremen Fan, die kommen aus Bremen und dann bin: ich Werder Bremen Fan, das muss man sein. Nur die ganz hartgesotten schaffen das nicht zu sein. Dr. Stefan: Aber du pendelst ja zwischen Köln und Bremen, hätte ja auch sein können, dass da irgendwas im Kölner, ist ja auch was, aber du hältst auch in Köln zu Werder. Will Gmehling: Ja, aber der 1. FC Köln ist meine Zweitmannschaft, aber auf jeden Fall. Dr. Stefan: Wie machst du das eigentlich, wie muss man sich vorstellen, dieses Pendeln? Will Gmehling: Also meine Freundin mein Lieblingsgefährte wohnt in Köln. Und ich fahre dann oft mit der Deutschen Bahn hin und her. Ich bin dann zwei Wochen in Köln, meine Woche in Bremen. Das mache ich schon sehr lange, aber ich werde das nicht mehr ewig machen. Aber ich muss mich dann schon entscheiden für eine Stadt. Aber ja, da fährt man hin und her. Und setzt sich dem Fixer Deutsche Bahn aus.
Dr. Stefan Und dem Abenteuer Deutsche Bahn. Man hat oft so den Eindruck, du bei deinen Büchern, also mir geht es: zumindest so, dass du die Figuren, ich sage mal, dem Leben applauschst Weil ich oft denke, ja, also den hätte ich jetzt da hinten sehen können. Das kommt mir irgendwie vertraut vor. Also ist es vielleicht auch das Bahnfahren und auf Bahnhöfen und unterwegs sein, dass du... Ein scharfer Beobachter bist, Dinge wahrnimmst, aufnimmst und ich weiß nicht bewusst oder unbewusst dass die solche Momente irgendwie vielleicht später wiederkommen und verarbeitet werden. Will Gmehling: Ja, wenn man viel auf Bahnhöfen steht und wartet auf Dinge die nicht kommen und mit den anderen wartet, sieht man ja viele andere. Und das ist bei meinem Beobachten kein so bewusstes Beobachten, ist richtig gesagt, ist mehr ein unbewusstes Sehen oder so. Überall es können überall sein, wo ich Menschen sehe, aber Bahnhöfe sind natürlich ideale Orte, um Menschen...
Wie sie sich bewegen, wie traurig sie aussehen, wie hoffnungsvoll sie aussehen, wie: viel Elend Es leider auch gibt, und wie viel Kraft, wie viel starke Leute, gute Orte Bahnhöfe. Mr. Ralf: Ja, du hast ja schon den Deutschen Jugendliteraturpreis für 2020 für Freibad bekommen. Freibad, ein ganzer Sommer unter dem Himmel, da geht es um die Familie Bukowski. Du hast ja auch gerade gesagt, nach einem Buch schreibst du dann gerne mal was anderes oder musst halt wieder eine andere Idee umsetzen. Die Bukowskis haben dich ja immer noch zwei weitere Bücher begleitet. Von daher stimmt das ja dann doch nicht so ganz. Will Gmehling: Nee, stimmt nicht ganz. Also da war es wirklich anders. Das lag wirklich daran, dass diese Familie nach diesem einen Buch noch nicht auserzählt war. Also ich merkte einfach, da ist noch was. Ich kann noch was von denen erzählen. Und da ist es tatsächlich so, dass ich mal so eine Miniserie gemacht habe. Und danach kann es dann sehr gern wieder was wie Pizza Katze sein oder so ein Fußball Liebesgedicht.
Aber stimmt, bei den Bukowski ist es nicht richtig.: Mr. Ralf: Ja jetzt verbindet ja sowohl die Bukowskis als auch den Sternsee und auch dein Jugendbuch Stux so ein bisschen der Blick zu Menschen hin, denen es jetzt erstmal nicht ganz so gut geht, die finanziell eher schwer haben, wo es auch die Kinder nicht so einfach haben, nicht so leicht haben. Das verbindet ja doch verschiedene Bücher auch verschiedene Familien, verschiedene Personen die du hast. Warum ist das so? Will Gmehling: Also erstmal, warum sollte es nicht so sein? Also weil sehr viele Menschen leben ja in solchen Verhältnissen. Also die Frage ist ja tatsächlich, warum nicht? Weil ich glaube, erstmal ist es so, viele Menschen leben in finanziellen...
Und es werden ja, wie wir wissen, leider immer etwas mehr. Und dann ist das gar keine bewusste Wahl. Also ich bin selber aus einer Bremer Hochhaus-Siedlung, da bin ich groß geworden, das war mein Ort, bis ich 18 war. Das ist: also eigentlich das Milieu, das ich kenne. Ja, also das ergibt sich von selbst, das ist nichts Programmatisches dahinter. Das sind die Leute, über die ich am besten schreiben kann. Mr. Ralf: Sind es dann die Menschen, die dich auf solche Geschichten bringen oder ist es die Geschichte, zu denen diese Menschen dazukommen oder diese Familien, über die du erzählst, die Kinder und Jugendlichen, über die du erzählst? Will Gmehling: Beides glaube ich. Bei Freibad war das so, dass ich im Bremer Hauptbahnhof drei Kinder gesehen habe, die mir so entgegenkamen und in dem Moment, als sie an mir vorbeigingen, schnappte ich so auf, dass das Mädchen zu den Jungs sagte, das können wir uns nicht leisten, wir haben nur drei Euro.
Und die Kinder sind noch ziemlich, also man sieht Kindern, die arm sind, ihre Armut oft gar nicht an, aber denen hat man das so angesehen. Und dieser Satz hat mich bewegt oder getroffen. Und ich dachte, ich muss jetzt ein Buch schreiben über Kinder mit wenig Geld. Das war einfach so ein Impuls Und dann war es für mich wichtig, es: gab so eine Zeit in Deutschland, da gab es immer viele Talkshows wo über das Präkariat gesprochen worden ist und Menschen mit wenig Geld, zu Recht, aber es wurde immer damit assoziiert Schwierigkeiten, Bildungsferne Ärger, es war irgendwie, man muss darüber reden, aber die Leute, die darüber geredet haben, gehörten oft zu dieser Schicht. Und ich wollte einfach in diesem Moment, ich hatte glaube ich große Lust, ein Buch zu schreiben über Menschen mit wenig Geld, die aber seelisch unglaublich intakt sind. Also ich wollte es ein bisschen umdrehen. Aber das passiert ja mehr auch unbewusst. Also es ist nichts geplant oder so am Tisch oder so, am Reißbrett. Aber es war schon so, ich wollte eine Ehrenrettung machen für Menschen mit wenig Geld. Es gibt sehr viele Menschen mit wenig Geld, ja. Also ich habe selber lange auch wenig Geld gehabt und sehr lange. Es gibt viele
Dr. Stefan Schriftsteller gerade im Kinder- und Jugendbuchbereich, dann wird, wenn das Thema auf: prekäre Verhältnisse kommt, dann wird das wahnsinnig problematisiert und schwer und also, wo man denkt, oh. Es liest sich dann auch entsprechend schwer, bei dir ist es so, die Kinder lassen sich sozusagen ihre Fröhlichkeit gar nicht nehmen, also die erobern sich trotzdem ihre Welt, ihre Freiräume, auch wenn manches eben nicht geht, dann gucken sie was anderes geht. Also du bist, finde ich, insofern eine Ausnahme, dass du sie... Ich sag mal gleichberechtigt teilhaben lässt, während das bei anderen wahnsinnig schwer alles und da ist eh keine Chance und also man könnte fast depressiv werden beim Lesen. Das ist schon besonders bei dir und wieher kommt das sozusagen, dass du diesen Blick hast, vielleicht gibt es auch Vorbilder wo du immer wieder prüfst sozusagen, wie bewegen sich denn die heutigen Kinder, weil deine Kindheit ist ja jetzt auch schon Länger vorbei,
Will Gmehling also: wie du abgleichst. Also besser kann man das eigentlich nicht sagen hier zur Antwort. Wie gesagt, ich hatte ja gesagt, ich hatte vor, so eine Ehrenrettung zu machen. Eigentlich ist das eine Utopie ein bisschen. Das ist sehr schwierig, weil es ist ein schmaler Grat. Ich wollte Armut, oder eigentlich Armut ist das nicht wirklich, aber finanzielle Nöte, das darf man nicht romantisieren oder so, nicht runterspielen, aber trotzdem denke ich dass auch, wenn man wenig Geld hat, Die verhungern ja nicht diese Gegner oder so.
Auch wenn man wenig Geld hat, kann man irgendwie, wie man heute sagen würde, stabil sein. Also es gibt keinen Grund, so irgendwie jetzt. Also den Kopf hängen zu lassen, es gibt ein Geldproblem und diese Familie ist so intakt dass sie das so auffangen mit sehr viel Optimismus, sagen wir mal Resilienz oder so, sehr viel, ja, unglaublichen großen Optimismus Die Eltern sind einfach, das sind die in dieser Familie Burkowski, die, die...: Das ist die Quelle des Intaktseins. Und zwar, weil die sich als Mann und Frau lieben. Das ist ja eindeutig dass die sich toll finden und einfach gern miteinander zusammen sind, gerne Kinder haben. Und wie du sagst es wird immer problematisiert wenig Geld. Und ich wollte auch so ein bisschen, das ist vielleicht auch eine Utopie, oder so ein Animieren von Menschen, zu sagen, hey, wenn ihr... Wenig Geld habe gibt es doch hier keinen Grund nur Trübsal zu bleiben. Sich nicht, dass ihr euch nicht um euch kümmert, dass ihr nicht euren Kindern vorlest. Das geht alles. Ich habe mein Kind auch mit wenig Geld großgezogen. Und man kann seinen Kindern vorlesen man kann mit ihnen irgendwie Spaß haben, auch wenn man Wenig hat. Dr. Stefan: Aber Will Gmehling: natürlich darf man dabei, das ist wichtig, dass wenig Geld haben, Armut nicht romantisieren. Das ist ganz ganz wichtig.
Dr. Stefan Und bei den Bukowskis fällt auf, die halten: zusammen. Also das ist ja auch noch so ein ganz wichtiges Element, dass man am Ende immer mitnimmt bei allen Bänden so unterschiedlich die sein mögen, aber sie halten zusammen. Will Gmehling: Ja, sie halten zusammen und was so nett ist an den Eltern, also die Eltern sind schon wirklich typisch. Großartig. Die trauen ihren Kindern sehr viel zu und die geben ihnen ganz viele Möglichkeiten, ganz viel Freiraum der eigenen Entwicklung und die sind ja sehr unterschiedlich. Also sie können träumerisch zu Wege sein oder sehr schrill wie dieses Mädchen wie Katinka oder sie können boxen gehen. Machen die Eltern alles mit? Ja, mach mach mach und so. Diese Familie, ja. Und solche Eltern kann man nur allen Kindern wünschen.
Mr. Ralf Ja, in Sternsee sind es jetzt eine Gruppe von Kindern selbst und da spielt natürlich, wie der Titel schon verrät auch dieser: See eine sehr zentrale Rolle. Also da gibt es dann ja auch nochmal so ein fantastisches Element. Wo ist denn die Idee zu diesem? Dann über den Sommer zugefrorenen See hergekommen. Will Gmehling: Ich weiß das gar nicht genau. Also ich muss dazu sagen, also ich wohne seit 20 Jahren in Bremen in der Innenstadt. Da gibt es so alte Wallanlagen. Das ist das, also die alte Stadtbegrenzung wo auch dann die Stadtmauer war. Da ist jetzt noch so ein Graben und der flängelt sich um die Stadt, um die Hälfte der Stadt. Und der hat natürlich dadurch so eine kleine Zackenform. Da waren sie angelegt als Bastion. Und als man so klein war, waren wir da jeden Winter drauf. Fast jeden Winter zu. Und irgendwann durch den Klimawandel ist der natürlich Dr. Stefan: seltener Will Gmehling: noch zu.
Jetzt im Winter war er kurz mal gefroren aber ganz kurz. Und dann dachte ich, woher das kommt, weiß nur Gott. Also ich dachte, drehen wir: das mal um. Dr. Stefan: Der Will Gmehling: friert nicht mehr, der taut nicht mehr auf. Auch im Sommer nicht. Und wo diese Ideen herkommen, ich weiß nicht, hatte ich irgendwann nachts auf dem Balkon, ich habe ein Glas Wein getrunken eins, und dann zack war diese Idee da. Und das ist ja das Schöne, du weißt ja nicht, woher Ideen kommen. Sie Dr. Stefan: sind da. Die Will Gmehling: sind da, genau. Und man hat ja, glaube ich wenn man Bücher schreibt viele Ideen Ich habe jedenfalls eine Menge und manche halten nur drei Stunden und manche halten zwei Tage oder manche halten auch tatsächlich etwas länger, aber es gibt so Ideen wo es so plopp macht im Bauch und im Gehirn und man merkt das muss ich jetzt machen. Egal, ich schreibe das eine Geschichte, genau mit diesem Inhalt. Ja, und dann muss man im Grunde an diesem Plopp folgen.
Dr. Stefan Also ich kann mich nicht erinnern dass es in der deutschen Literatur irgendeinen Text auch bei Erwachsenen gibt, in dem sozusagen: ein Gewässer nicht mehr auftaut, wenn es zugefroren ist. Also das ist schon sehr einzigartig Das ist eine gute Idee gewesen, würde ich sagen. Guter Plopp. Mr. Ralf: Ja gut. Ich habe ja ein bisschen an Hamburg gedacht, weil ich eine Zeit lang in Hamburg gewohnt habe. Da ist ja das Alstervergnügen auch ein ganz wichtiges Thema, was halt auch extrem selten vorkommt dass die Alster so zufriert dass man da drauf darf. Da braucht man natürlich lange, lange Frost und dann muss es halt vom TÜV und von der Stadtverwaltung und von 17 Behörden genehmigt werden. Aber der ist natürlich dann auch sofort wieder aufgetaut, wenn der Frost vorbei ist. Aber so ein bisschen hat es daran erinnert. Ja, aber das ist ja jetzt noch eine kurze Geschichte und da sind ja auch Illustrationen dabei. War das dann auch klar Will Gmehling: dass Mr. Ralf: das in der Form dann eben auch ein illustriertes Buch sein muss?
Will Gmehling Ja, auf jeden Fall. Das ist ja nur ein kurzer Text und wir wollten viel Illustrationen Das gibt glaube ich auf fast jeder Seite ein Bild. Das war von vornherein: klar, das wird illustriert und groß illustriert. Ja, Mr. Ralf: sagen wir noch, von wem die Ultrastrationen sind. Ja, Will Gmehling: Jens Rasmus das ist mein drittes Buch mit ihm, das ich machen darf. Und das ist eine Zusammenarbeit die so gut geht, die von selber geht. Also es war klar, wenn Jens dieses Buch, wenn Jens Rasmus das Buch bebildert dann... Muss man sich keine Gedanken machen oder kann sich darauf freuen. Ja, wenn man die dann irgendwann zu sehen bekommt und wenn man das dann sieht, weiß man ja, genau so und noch besser ist es geworden. Es passte einfach 100 Prozent, das kann man sich gar nicht mehr vorstellen ohne. Ja, das ist genau das, was es sein muss.
Dr. Stefan Also es ist ja wunderbar, dass es in diesem Schwarz-Blau-Grau ist. Das ist auch schon eine Kunst, das so zu halten. Vieles ist so kreischend oft oder es ist nur, aber diese Art von: einer gewissen monochromen Grundhaltung, das macht es sehr besonders und ich finde auch, also etwas edel. Also es ist, ja, es hat so eine ganz eigene Stofflichkeit. Die ich weiß ich gar nicht jetzt bei Jens so bei den anderen Büchern noch gar nicht gesehen hatte, er hat ja sonst mit ganz vielen anderen und Tieren und so weiter, aber wenn du sagst gute Zusammenarbeit aber viel gesprochen habt ihr nicht drüber. Will Gmehling: Nein nein, das ist, ich habe schnell gelernt, dass man Illustratoren am besten Nicht auf die Nerven geht und sie machen lässt und warten, bis man anruft bis sie anrufen und fragen, sag mal, was denkst du dazu und das macht Jens immer mal, aber im Grunde genommen ist das gar keine intensive Zusammenarbeit man sitzt nicht zusammen oder so, er macht seine Bilder und wenn er eine Frage hat.
Wie findest du das? Dann antworte ich gerne. Aber am Ende fühlt sich doch an wie eine Zusammenarbeit. Es ist: unser gemeinsames Buch. Es ist ganz wichtig. Dr. Stefan: Als du das Hochhaus gesehen hast, du hast gesagt, du bist selber in Bremen im Hochhaus groß geworden. Er hat eins, was es gibt, den Weißen Riesen in Kiel als Vorbild genommen. Hast du da gedacht, ach ja, kommt dir vertraut vor? Will Gmehling: Ja, auf jeden Fall. Das war wirklich perfekt und ich wusste, das ist genau, so muss das aussehen. Das hätte jetzt auch anders aussehen können, aber so wie es war, das ist ja dann so, dann ist das alles. Es steht alles richtig da. Es ist alles genau so, wie es sein muss. Ja, das ist ein guter Ort, den er sich da genommen hat als Vorbild. Dann ist es Zeit vielleicht auch noch über Stux zu reden. Mr. Ralf: Ja, das ist Dr. Stefan: ja noch ein Will Gmehling: neues.
Mr. Ralf Ja, wir haben ja über Kinderbücher gesprochen und jetzt aktuell erschienen ist ja, kann man so sagen, dein erstes Jugendbuch. Woher kommt denn da die Motivation zu sagen, jetzt nochmal einen Schritt nach oben in der: Alterszuordnung, also was ja in der Regel nur heißt, dass die Figuren älter sind? Will Gmehling: Ja, nicht nur die Figuren sind älter, sondern auch wenn man das Buch, mit dem Buch auf Lesung geht, ändern sich die... Die Zuhörer. Mr. Ralf: Und Will Gmehling: zwar, wenn man so ein Buch schreibt wie Sternsee, wird man eingeladen in dritte vierte Klasse und Lesungen in dritter, vierter Klasse sind oft sehr, sehr einfach. Die Kinder freuen sich ohne Vorbehalt. Der Unterricht fällt aus, jemand liest ihnen was vor. Wenn man Jugendbücher schreibt, Die siebte achte Klasse oder so ist ganz anders. Die Situation ist erstmal anders. Die beäugen einen zurecht, kritisch von sehr weit her. Und da muss man gucken, was bei so einer Lesung wirklich dann, wie das sich entwickelt.
Ob da so eine Wärme entsteht eine Nähe entsteht. Aber das war jetzt nur zweitrangig dass mich das interessiert hat. Also ich wollte jetzt nicht unbedingt ein Jugendbuch schreiben. Ich hatte so eine Idee.: Und dann ist das tatsächlich ein Jugendbuch geworden. Mr. Ralf: Also auch so ein Plopp. Will Gmehling: Ja, unbedingt. Aber das dauerte nun lange, das Schreiben. Es hat auch manchmal entploppt. Ich habe lange an diesem Buch gesessen zweieinhalb Jahre oder so. Und ich bin da auch manchmal so, was ist, kurz vor dem Scheitern. Dann bleibt man ja stark, ne? Stabil. Mr. Ralf: Und ja, wie ist das, du hast ja jetzt gesagt, das ist eine sehr andere Situation, wenn du aus Stux vor siebten achten Klassen vorliest, die müssen dir ja auch glauben, was du da erzählst und da ist ja schon, das ist ja eine Geschichte von einem Jungen in der Pubertät die erste Liebe, vieles spielt eine Rolle, wie schafft man das denn, dass die einem das glauben?
Will Gmehling Das hängt natürlich erst mal vom Text an, den man da liest und ich setze mich dann hin und lese. Also das ist keine große, ich versuche jetzt nicht irgendwie ihre Herzen zu gewinnen oder sowas sondern ich: bin nur da mit dieser Art, wie ich bin, mit der Stimme, die ich habe. Ich schlage das Buch auf und lese. Also und alles andere überlasse ich den Zuhörerinnen und Zuhörern. Man kann da nicht viel tun. Aber es funktioniert. Dr. Stefan: Die Kraft der Sprache. Will Gmehling: Ja, es funktioniert, weil das ist auch keine Sprache die versucht, sich so einem Jugendjargon anzubiedern. Es gibt es ja manchmal, dass man versucht, wie Jugendliche zu sprechen. Also es geht mir gar nicht darum, in diesem Buch wie Jugendliche zu sprechen. Das ist eine Kunstsprache. Das ist auch eine Kunstgeschichte und die Kinder, die Jugendlichen haben die Möglichkeit das abzugleichen mit ihrer Wirklichkeit, ja. Also ich freue mich auch besonders, dass das besonders so in Realschulen, ja, wo dieser Junge ja sich auch rumtreibt, besonders gut funktioniert, das Buch.
Und besonders gut bei Mädchen obwohl der ja ein Junge, ne, der interessiert wie es...: Jung so geht. Dr. Stefan: Wir hatten ja gerade vorhin eine Buchhändlerin, mit der wir gesprochen haben, Doris Müller-Hürth von der Buchhandlung Pelzner in Nürnberg, die sagte, da hat sie schon ganze Klassensätze sozusagen verkauft, was dann für den Erfolg dieses Buches spricht, dass es eben ankommt auch bei der Zielgruppe. Du hast gesagt zweieinhalb Jahre eben, hast du gearbeitet, arbeitest du dann manchmal parallel auch an Geschichten, dass du sagst, jetzt muss das mal ein bisschen ruhen jetzt mache ich da weiter oder immer eins nach dem anderen? Will Gmehling: Also eigentlich immer eins nach dem anderen, das ist so, weil ich bin sehr einfach gestrickt eins nach dem anderen, aber hier in diesem Fall war das so, dass ich oft nicht weiter wusste. Und es mir da oft auch nicht gut ging. Und dann habe ich dieses Sternsee und dieses Fußballbuch dazwischen geschoben, weil ich wirklich nicht weiter wusste mit dem Stux. Das gibt lange Brüche. Aber sonst mache ich eins nach dem anderen.
Dr. Stefan Und dann auch so, es gibt ja eine Schriftstelle. Die: sozusagen feste Zeiten haben, nach dem Motto von 8 bis 12 und dann wieder von à la Thomas Mann und andere sagen, nee, da muss ich gucken, es kommt und dann arbeite ich auch bis in die Nacht oder es kommt nicht. Bist du der erste, der zweite Typ oder irgendwas dazwischen? Will Gmehling: Also ich setze mich schon. Bis morgens hin. Ich freue mich doch oft, weil die Bücher die ich schreibe, schreibe ich jetzt eigentlich ohne Plot ohne Plan oder so. Ich bin manchmal interessiert wie es weitergeht. Das sind die guten Tage, dieses Schreiben. Und ja, mal gucken, wie es dem Stux jetzt geht. Also ich gebe mir schon Mühe mich regelmäßig dahin zu setzen, aber man wird auch regelmäßig... Enttäuscht von der Inspiration, ich brauche von der Energie oder so. Es gibt auch Tage, wo nichts läuft. Da kann man sich vielleicht noch ein bisschen hinsetzen und durchhalten und dann kommt doch noch was.
Aber es gibt auch Tage, wo ich jedenfalls merke, heute gehe ich besser schwimmen oder ich gehe: laufen oder was weiß ich. Ich mache alles nur nicht das. Aber trotzdem gibt es im Ganzen gesehen so eine Disziplin. Immer weiter, immer weiter. Wie Peter Handke das so schön sagt, so von Wort zu Wort. Dr. Stefan: Und wahrscheinlich bist du auch schon wieder an einem neuen Plopp oder Plott. Nee? Also jetzt erstmal sacken lassen. Mit dem Erfolg muss man glaube ich auch erstmal sacken lassen. Will Gmehling: Nee, es ist einfach, weil ich habe keine Idee im Moment. Es ist auch nicht so schön, aber das ist die Natur der Dinge. Also man muss das annehmen und so gucken. Ja okay. Manchmal wird man so reichlich überhäuft mit Ideen und jetzt ist gerade, weißt du nicht was? Unbewusst passiert, ja. Dr. Stefan: Ich Will Gmehling: habe nur so einen ganz leichten Hauch von Idee, aber das ist wirklich ein Hauch von Möglichkeit, meiner Idee.
Mr. Ralf Naja, das Gute ist ja, dass jetzt mit den Titeln die jetzt auf der Nominierungsliste stehen, plus dem Stux, der jetzt ganz neu im Frühjahr rausgekommen ist, ja auch: einige Lesungen anstehen und das klingt ja auch wieder nach Bahnhof und nach Bahn und da kann ja auch was bei rumkommen. Also die hast du ja auch gesagt. Der Moment auf dem Bahnsteig der kann plötzlich eine Inspiration sein. Also von daher ist das ja auch eine Stoffsammlung. Will Gmehling: Ja, und ich finde auch nicht, also ich wollte eigentlich nie ein Autor sein oder so, der ein Buch nach dem anderen schreibt Ist dann irgendwie tatsächlich doch so geworden. Aber irgendwann ist doch Schluss und man hat zwei Jahre lang nichts. Oder es gibt keinen Grund, jedes Jahr ein Buch zu veröffentlichen. Im Gegenteil. Das muss überhaupt nicht sein und ich wollte eigentlich nie, dass das so wird. Von daher passt das. Ich Dr. Stefan: hatte im Studium einen alten Grafikprofessor der sagte immer, wen die Muse küssen soll, der muss auch stillhalten. Und vielleicht ist es das, dass man manchmal auch abwarten muss. Ja,
Will Gmehling Warten ist eine große Kunst und man kann ja auch immer dann so schön was kochen, ein bisschen renovieren,: ein bisschen so an die Wand gucken, das ist ja auch viel interessanter eigentlich als zu schreiben. Dr. Stefan: Ja, Will Gmehling: oder Dr. Stefan: wir werden sehen, ob... Die nächste Widmung der Deutschen Bahn gilt für Verzögerungen, also was auch immer. Vielen Dank, dass du im Messetrubel dir die Zeit noch genommen hast, die halbe Stunde bei uns zu Gast zu sein Vielen Dank. Will Gmehling: Es war wunderbar aus diesem Messetrubel raus hier mit euch, diesen schicken Konferenzraum mit Gummibaum. Das ist eigentlich das Schönste hier gewesen. Dankeschön an euch für eure schönen Fragen. Dr. Stefan: Da müssen wir sozusagen der Leipziger Messe GmbH danken Nein, dass sie diese schönen Räume tatsächlich uns zur Verfügung stellt. Mr. Ralf: Ja, vielen Dank nochmal.