Kinderbuchpraxis

Kinderbuchpraxis

Kinderbuch und Jugendbuch - wir behandeln alle Themen.

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00:00:00: Intro Doris Müller-Höreth: Die Kinderbuchpraxis. Hier behandeln Dr. Stefan und Mr. Ralf Themen rund ums Kinder- und Jugendbuch. Sie sprechen über aktuelle Entwicklungen auf dem Buchmarkt oder über Bücher. Und zwar jeden zweiten Freitag. Mr. Ralf, das ist Ralf Schweikart. Dr. Stefan, das ist Dr. Stefan Hauck. Intro: Was macht eine Buchhändlerin auf der Buchmesse? Dr. Stefan und Mr. Ralf sprechen mit... Doris Müller-Hörethh von der Buchhandlung Pelzner in Nürnberg über Leseclubs, die richtige Buchauswahl, Leseförderung und die Eventisierung des Buchhandels. Und damit herzlich willkommen in der Kinderbuchpraxis.

Dr. Stefan Ja, wir sind mitten auf der Leipziger Buchmesse Es ist Messe Donnerstag und wir haben hier einen ruhigen Raum gefunden, was gar nicht so selbstverständlich ist, dank des wunderbaren Engagements der Presse hier. Und: ja, wir haben zu Gast bei uns Doris Müller-Höreth von der Buchhandlung Pelzner in Nürnberg und vielleicht sagen wir erstmal nicht nur ein Hallo, sondern auch, du bist ja aus mehreren Gründen hier Warum du überhaupt hier bist, Zu Gast: Doris Müller-Höret & Buchhandlungspreis Dr. Stefan: Doris? Doris Müller-Höreth: Ja, eigentlich möchte ich sehr gerne zusammen mit allen anderen Nominierten den Buchhandlungspreis feiern, zu dessen Preisverleihungen wir heute ja offiziell ausgeladen worden sind. Dr. Stefan: Und das lässt ihr aber auch nicht nehmen, sondern ihr trefft euch trotzdem. Doris Müller-Höreth: Genau, wir treffen uns trotzdem. Es gibt einige Anlaufstellen. Der Wunderbarer Weiße hat uns ja der Börsenverein extra nochmal eingeladen. Es gibt auch eine tolle Feier beim Verbrecherverlag was ich besonders schön finde, nachdem unsere Buchhandlung ja jetzt vom Verfassungsschutz gecheckt wurde. Und auch der Hansa Verlag macht ein Fest, zu dem er uns ausgesucht hat Ausdrücklich eingeladen hat. Dr. Stefan: Aber das ist nicht alles, sondern es ist auch so, es kommen Kunden und Leseclubs von dir. Doris Müller-Höreth: Das ist richtig. Leseclubs: Jugend & Gymnasium

Doris Müller-Höreth Wir haben: tatsächlich einen Leseclub in unserem ansässigen Gymnasium im Sigmund-Schuckert-Gymnasium, der jetzt schon zum dritten Mal auf die Leipziger Buchmesse fährt. Und auch in unserer Buchhandlung gibt es einen Leseclub. Den Erwachsenenleseklub, der immer weiter wächst. Tatsächlich haben wir am Montag einen Aufnahmestopp gemacht und da sind auch ganz viele liebe, liebe Kundinnen und Kunden dabei und natürlich andere Kunden unserer Buchhandlung. Dr. Stefan: Also zu wie viel fahrt ihr jetzt? Also ihr habt einen Bus gemietet? Doris Müller-Höreth: Genau. Der Bus ist voll mit 50 Kundinnen und Kunden und wenn wir nach Hause zurückfahren, werden wir dann 52 sein. Dr. Stefan: Das ist eine der vielen Aktivitäten schon mal. Mr. Ralf: Was für Aufgaben oder was für einen Plan hat denn der Leseclub, wenn der hier auch auf die Buchmesse nach Leipzig fährt? Hat er sich ein Programm ausgedacht? Bekommt er von dir Unterstützung, was man so alles tun kann? Kriegt er so ein bisschen so einen Rundlaufplan oder wie kann man sich das vorstellen?

Doris Müller-Höreth Ja, es gibt natürlich eine Menge Anregungen die wollen unbedingt zum Arena Verlag weil die: gerade die Woodwalkers lesen dann wollen sie, letztes Mal haben sie die Frau Bohlmann interviewt also auch unser Leseclub macht einen kleinen Podcast und da werden dann Autoren und Autorinnen interviewt und auch das wird ein Thema sein. Wen interviewen wir denn am nächsten Samstag? Und dann schauen sie sich natürlich alles an und es wird sicherlich einige Highlights geben für die, die jetzt nichts mit mir zu tun haben. Dr. Stefan: Das klingt sehr lebendig. Wie oft trifft sich denn sowohl der Erwachsenen als auch der Jugendleseklub bei euch? Doris Müller-Höreth: Also der Jugendleseklub der trifft sich gar nicht bei uns, sondern in der Schule und zwar einmal wöchentlich, immer Montagnachmittags. Erwachsenenleseclub

Doris Müller-Höreth Und der Erwachsenenleseklub der trifft sich... Alle zwei Monate, auch am Montag. Und das ist ein fester Club, der jedes Jahr wächst. Wir haben also tatsächlich mal nach so einer Messefahrt vor 16 Jahren den gegründet und es waren damals 15 Gründungsmitglieder, die sind alle noch da. Bis auf eine, die: leider weggezogen ist. Und mittlerweile haben wir glaube ich an die 25 Mitglieder und mindestens 22 sind auch jedes Mal dabei. Das heißt, also mehr schaffen wir eigentlich gar nicht als Leseclub, sonst kommt keiner mehr zu Wort. Dr. Stefan: Nur noch mal kurz nachgefragt wie ist denn der Jugendleseclub dann an die Buchhandlung angekommen? Also das heißt, die Bücher kommen von euch? Doris Müller-Höreth: Also zusammen mit einem Deutschlehrer des Sigmund-Schukert-Gymnasiums habe ich den Lesegroup gegründet und wir machen gemeinsam so ein Programm. Also letztes Jahr gab es zum Beispiel ein ganz tolles Highlight, die Premiere-Lesung von Antonium Morissinotto, Greta Grimaldi. Da geht es ja um den Kaspar Hauser. Dr. Stefan: Davide Morisenotto, oder?

Doris Müller-Höreth Ja, genau, Davide Morisenotto und Greta Kremaldi, da geht es ja um den Kaspar Hauser und da hat die Premiere-Lesung bei uns stattgefunden und da war auch unser Leseclub dabei, hat wunderbar die anderen Bücher von dem Davide präsentiert und solche Dinge machen wir dann auch: manchmal. Mr. Ralf: Und auch bei dem Erwachsenen-Leseclub, was bietet da die Buchhandlung selber? Gibt es dann Leseempfehlungen? Neben dem, sagen wir mal der Betreuung des Clubs oder jetzt zum Beispiel der Fahrt auf die Messe? Doris Müller-Höreth: Der Leseclub der Erwachsenen ist sehr autonom. Also die entscheiden alle. Und jedes halbe Jahr gemeinsam, was sie lesen wollen. Es werden sozusagen drei Titel ausgewählt. Die müssen natürlich dann in unsere Buchhandlung gekauft werden und gelesen werden. Und da gibt es heiße Diskussionen. Es ist schon so, dass ich immer wieder was vorstelle, was neu erscheint aber auch die Gruppe selbst ist da sehr aktiv. Wir haben dann immer so einen Termin Wirklich abgestimmt wird und meistens setzen sich die anderen durch. Und ich habe da schon sehr, sehr oft Bücher lesen müssen, die ich niemals gelesen hätte freiwillig aber in den allermeisten Fällen mit viel Genuss und auch viel daraus gelernt, andere Perspektiven anzunehmen.

Dr. Stefan Du machst ganz, ganz viele Initiativen. Das war ein Grund, wo wir: gesagt haben, wir wollen nicht unbedingt in der Kinderbuchpraxis zu Gast haben, gerne, um Initiativen wo du immer das Kinder- und Jugendbuch sichtbar machst und auch die Illustrationskunst. Und du machst, ich glaube seit 16 Jahren oder seit 10 Jahren, ich weiß es gar nicht mehr, stellst du Bilderbuch, jeweils einen Bilderbuchkünstler, eine Bilderbuchkünstlerin in den Mittelpunkt. Doris Müller-Höreth: Ja und ich habe mir selber, als ihr mich eingeladen habt, lang überlegt warum mache ich das eigentlich? Und es ist tatsächlich so, dass mich Bilderbuchillustration sehr interessiert. Unsere Kunden kennen eigentlich gar keine Bilderbuchkünstler. Und so ging es mir tatsächlich auch, als ich vor inzwischen über 40 Jahren meine Ausbildung zur Buchhändlerin gemacht habe. Leidenschaft für Bilderbuchillustration

Doris Müller-Höreth Und ich hatte dann einfach Glück mit meinen Lehrern und seiner Familie Die Frau Pelzner war unter anderem auch Erzieherin und die hat mich damals mit Leo Leoni, mit Eric Kahle,: mit Wolf Erlbruch meiner ganz großen Liebe, mit Helme Heine, mit Janosch, mit den ganzen Menschen bekannt gemacht, denen Bücher ich natürlich gekannt hatte, aber ich wusste nicht. Ich kannte den Strich nicht, ich hatte keinen Namen und es scheinen ja so viele spannende Bücher. Und da wollte ich eben diese Künstler auch sichtbar machen und die Qualität und die unterschiedlichen Stilrichtungen und die Faszination dieser Künstler auch zeigen. Illustrator des Jahres: Torben Kuhlmann Doris Müller-Höreth: Und da ging es eben los mit dem Torben Kuhlmann. Und seinem ersten Buch und der hat dann damals eine Ausstellung, also so eine Wanderausstellung angeboten und wir haben uns das lang überlegt Wir haben ja eine sehr kleine Buchhandlung ob wir denn überhaupt den Platz haben. Dr. Stefan: Wie viel Quadratmeter habt ihr? Doris Müller-Höreth: 90 Quadratmeter, aber wir haben einmal im Jahr natürlich diese Kalenderausstellung und wenn die dann weg ist, dann hätten wir ja eigentlich eine ganze Wand frei und wir haben dann lang überlegt machen wir das im Februar.

00:08:00: Und Februar ist ja auch so ein... Ein leichter tote Hose-Monat und dann dachten wir, dann laden wir den Herrn Kohlmann auch ein und dann machen wir einen Workshop mit ihm und versuchen ihn auch in die Schulen zu bringen und das war ein totales Highlight für uns und auch für unsere Kunden. Ich habe heute noch eine signierte Grafik von ihm und ich liebe seine Bücher. Eindeutige, wie nennt man das jetzt, Wiedererkennungswert. Alle Menschen, die ein Buch von ihm gesehen haben, die erkennen ihn immer wieder. Dr. Stefan: Auch die Kinder, die sagen, das ist Donnie Maus. Doris Müller-Höreth: Genau. Und wunderbarerweise hat er ja hinten in seinen Büchern immer so die anderen Bücher noch mit drin. Und da kommen sie dann und sagen, das habe ich schon, das habe ich schon, das brauche ich noch. Das ist einfach wunderbar. Und wir haben dann damals entschieden, dass unser allererster Bilderbuchillustrator des Jahres ist. Und Dr. Stefan: interessanterweise bei uns hat es auch alles angefangen bei der Kinderbuchpraxis mit Torben Kuhlmann.

Mr. Ralf Ja, das ist nochmal spannend zu hören. Also wenn man natürlich jetzt sagt, der normale: Buchkäufer, die normale Buchkäuferin die kauft halt ein Bilderbuch, weil es ansprechend ist, weil vielleicht das Thema spannend ist, aber jetzt nicht wegen der Illustratorin, des Illustrators, dann ist das ja doch auch so ein gewisser Lerneffekt oder so eine gewisse Lehrstunde Bilder, Originale von einem Illustrator oder einer Illustratorin hat, wenn der vor Ort ist, wenn der was über seine Arbeit erzählt. Wie ist denn da so die Erfahrung mit den Menschen, die das interessiert oder die da aus Interesse in die Buchhandlung kommen? Sind die dann fitter und können das selber besser beurteilen? Sind das dann Dauerkunden und Dauerbesucher, die das dann auch mitführen Weiterverfolgen und mitgehen? Doris Müller-Höreth: Ja, das ist natürlich ein Prozess. Wer kommt denn zu solchen Veranstaltungen? Wer kommt zu so einem Workshop? Also da laden wir natürlich die Lehrer ein, wir laden die Erzieherinnen und Erzieher ein, wir laden natürlich auch unsere anderen Kunden ein und jeder, der mal bei so einem Workshop war, der lernt natürlich was über die Technik der hat die Faszination, den Künstler selbst.

Beim Zeichnen zu sehen: und mit ihm zu sprechen. Und das schafft natürlich ganz tiefe Eindrücke in das Werk und lässt demjenigen, der das betrachtet das Werk auch ganz anders schätzen. Dr. Stefan: Und seitdem jedes Jahr, oder? Doris Müller-Höreth: Wer ist Dr. Stefan: dieses Jahr dran? Illustrator des Jahres: Alexander Steffensmeier Doris Müller-Höreth: Dieses Jahr ist es der Alexander Steffensmeier. Das ist natürlich ein wunderbarer Autor auch, weil dieses Jahr gibt es ja 20 Jahre Liselotte. Da haben wir ganz viel geplant mit ihm. Also wir machen ein riesengroßes Kinderfest am Bauernhof mit. Das ist Sissi der Kuh, die darf also dabei sein. Wir machen einen Workshop mit Bastelmal und Fotoaktion während unseres Trödelmarks in Aibach, Vorlesestunde und momentan haben wir die Ausstellung von ihm schon im Laden. Dr. Stefan: Und lohnt sich das dann finanziell am Ende auch, dass du sagst, ja, du steckst ja ganz viel Energie rein und ein Monat lang ist dieser Künstler präsent diese Künstlerin und sagst du, ja, am Ende bleibt auch was hängen?

Doris Müller-Höreth Ja, das prägt mich mein Mann auch immer. Und deshalb habe ich es letztes Jahr mal ausgerechnet Ich wollte: es nämlich wirklich selbst wissen. Also letztes Jahr war Katja Gehrmann unsere Künstlerin des Jahres und die hat ja damals die Tortenhexe rausgebracht und ein paar andere Bücher noch. Und wir kannten sie ja alle von Seepferdchen, sind ausverkauft und jedenfalls ein schönes Repertoire. Also für uns ist immer wichtig, der Künstler des Jahres, wenn er schon kein Geld von uns bekommt und kein Renommee, dann haben wir trotzdem seine Bücher ein Jahr lang. Bei uns im Laden. Und wir haben mal gezählt wie viele Titel wir von Katja Gehrmann verkauft haben und haben zusammengerechnet, wie viel Umsatz wir mit ihr gemacht haben. Und es waren 3600 Euro. Schon ganz gut, finde ich. Dafür Dr. Stefan: kann man es machen. Mr. Ralf: Ja, es gibt zwar nicht nur die Illustratorin, die Illustratorin des Jahres, sondern es gibt ja auch sowas wie das Bilderbuch Abro. Wie ist die Idee denn zustande gekommen und wie gut funktioniert die denn? Das ist ja deine persönliche Monatsempfehlung. Das Bilderbuch-Abo

Mr. Ralf Also man schließt anscheinend ein Abo ab und jeden Monat kommt ein Überraschungspaket fürs Kind: mit einem Text oder Brief von dir und einem Bilderbuch. Und auswählen darf man sich da nichts, sondern du wählst aus. Da muss man sich ja auch drauf vertrauen, dass das eine gute Auswahl ist. Doris Müller-Höreth: Das stimmt und es macht mir auch wahnsinnig viel Spaß und die Idee kommt eigentlich aus der gleichen Richtung, interessante Illustratoren einfach sichtbar machen und bekannt machen. Dieses Monat ist es übrigens Melanie Griffiths wunderbares Bilderbuch auch. Ja, also ich muss gestehen diese Idee ist noch ein bisschen ausbaufähig. Die Leute schließen ja immer für ein Jahr ab. Also in unserer Hochzeit hatten wir mal acht Abos. Momentan sind es glaube ich sechs. Also ich hätte da durchaus noch ein bisschen Luft nach oben. Aber es ist trotzdem schön, weil es sind immerhin sechs Menschen oder sechs ist manchmal auch ein Kindergarten, die dann ein Jahr lang darauf vertrauen, dass sie von uns ein schönes Buch bekommen und das bekommen sie auch.

Und das kommt eigentlich auch sehr gut an. Und es ist ja nicht nur so, dass wir dieses Abo abschließen, sondern wir verkaufen die. Bücher natürlich auch ganz normal: in unserer Buchhandlung. Da wirkt es natürlich auch, wenn wir sagen, das ist unser Bilderbuch des Monats. Dr. Stefan: Muss ich kurz zum Prozedere fragen. Also es ist immer ein Jahr sozusagen läuft das und es hat einen bestimmten Preis. Doris Müller-Höreth: Genau, der Preis ist eigentlich fest. Also es sind 240 Euro für zwölf Bücher. Da kommt dann eben noch der Bilderbuchbrief dazu und der Versand. Kommt man so ungefähr auf diese 240 Euro. Das wird dann auch immer noch besonders schön verpackt von uns. Da legen wir auch immer viel Wert drauf, dass es dann wirklich ein Geschenk ist, das da ankommt. Dr. Stefan: Aber du machst ja nicht nur was für die Kleinen sondern du versuchst ja jede Altersgruppe irgendwie zu bespielen. Also nicht nur das Bilderbuchalter, sondern im Kinderbuch, im Jugendbuch. Doris Müller-Höreth: Ja also das versuchen wir bei der Buchhandlung Felstner alle.

Also jeder hat da so eine bestimmte Ecke, wo er sich richtig gut auskennt. Ich habe auch eine Kollegin, die super gut sich mit Krimis auskennt und eine, die super tolle Abende macht für unsere Kunden. Und im Kinderbuch und: Jugendbuch, das ist natürlich auch so ein bisschen mein Steckenpferd da versuche ich halt auch in den Schulen. Veranstaltungen zu machen. Also wir haben ja mitgemacht bei der Begründung der Lesetüte. Wir verteilen jedes Jahr an die 240 Lesetüten Dieses Jahr sogar eine in Österreich. Also eine Klasse in Österreich bekommt von uns auch die Lesetüte. Dr. Stefan: Moment, da müssen wir jetzt fragen, wie kommt die Buchhandlung Pelzner aus Nürnberg, Eibingen, Eibach? Eibach. Wie kommt Die jetzt nach Österreich. Habt eine Filiale aufgemacht? Doris Müller-Höreth: Ja, wir haben einen kleinen österreichischen Mitarbeiter bei uns. Dr. Stefan: Einen kleinen? Der Doris Müller-Höreth: ist noch ziemlich klein. Das ist der Jasper, der ist sechs Jahre alt und das ist unser Enkelsohn und der ist jetzt in Österreich eingeschult worden.

Und er hat also seiner Lehrerin erzählt, dass seine Oma und sein Opa eine Buchhandlung haben und dann hat die Lehrerin gefragt, ob die nicht mal kommen will und was erzählen will. Was so eine Buchhandlung eigentlich macht. Und dann habe: ich mir gedacht, dann kriegen die halt auch die Lesetüte die Kinder. Es sind 25 Kinder in seiner Klasse und die kriegen jetzt dann die Lesetüte aus Nürnberg. Dr. Stefan: Und sind wahrscheinlich schrecklich aufgeregt. Doris Müller-Höreth: Die wissen wahrscheinlich noch gar nichts Dr. Stefan: von ihm. Aber vielleicht etablierst du dann an dieser Schule auch die Lesetüte Das könnte ich mir schon vorstellen. Mr. Ralf: Ja, das ist sozusagen grenzübergreifende Leseförderung überhaupt. Dr. Stefan: Expansion. Mr. Ralf: Über die Grenzen hinaus. Es ist ja schon auffällig dass ausgerechnet Buchhandlungen immer so viel drumherum machen. Und man fragt sich immer, ja klar, das sind halt sehr, sehr engagierte Buchhändlerinnen und Buchhändler. Aber wenn man sich dann in... Anderen Einzelhandel anguckt, also den Teeladen um die Ecke oder den Floristen, die tun bestimmt auch viele Dinge, aber irgendwie ist dieser Bereich ja doch immer sehr sehr aufwendig und viele sind in Schulen unterwegs, in Kitas unterwegs. Ist das so ein Teil des Berufsbildes Buchhändlerin, Buchhändler dass das nicht nur in der Buchhandlung stattfindet? Muss das so sein?

Doris Müller-Höreth Das ist jetzt echt eine schwierige Aufgabe. Ich bin ja noch: aus der Zeit wo man als Buchhändlerin eigentlich eine Ladenhüterin war. Man hat seinen Laden eigentlich nicht wirklich verlassen. Als wir vor 26 Jahren uns mit der Buchhandlung Pelzer selbstständig gemacht haben, war das schon ein bisschen anders. Wir haben schon gemerkt, dass unsere Kunden sich sehr angesteuert haben. Sehr freuen und das Angebot auch annehmen, wenn eine Autorenlesung stattfindet und wenn wir was für die Gemeinde einfach machen, wenn wir uns am Fest mit einer Aktion beteiligen. Eventisierung des Buchhandels Doris Müller-Höreth: Und ich fürchte, dass es anders funktioniert nicht mehr im Buchhandel Man muss irgendwie so eine kleine Art von Profilierung haben, irgendein Alleinstellungsmerkmal, weil sonst bleiben die Leute weg. Man kann sie natürlich auch zu sehr ausprobieren. So wie wir das machen. Also wir haben schon festgestellt, bei unseren Veranstaltungen da kaufen die Leute wie verrückt und da machen wir auch richtig toll Umsatz.

Aber dafür kommen die dann irgendwann nicht mehr in den Laden oder weniger im Laden. Also uns fehlt dann eigentlich das: Geld, das wir bräuchten um neue Bücher einzukaufen. Das ist wirklich ein schmaler Grat. Aber ich glaube einfach in unserer Zeit, das ist so eine Eventkultur, dass man tatsächlich als Buchhandlung was bieten muss, um wahrgenommen zu werden. Mr. Ralf: Aber ist das wirklich, dass die Menschen, die jetzt so am Laden vorbeilaufen und dann stehen bleiben, mal ins Schaufenster schauen und sagen, ach naja, mal so ein Buch, das wäre ja mal was, dass die immer weniger werden und dass es mehr diese Eventkäuferinnen und Käufer sind oder die anderen, die wirklich mit so einem festen Vorsatz kommen und sagen, ich muss was bestellen, das ist vielleicht was für die Schule oder es ist dieser klassische vor Weihnachten vor dem Urlaub Ostern Kommunion Konfirmation sind die diese? Spontankäufer & Stammkunden Mr. Ralf: Also Spontankäufer, gibt es die noch?

Doris Müller-Höreth Also meine Kunden, wenn die jetzt diesen Podcast hören, die werden völlig empört wenn ich sagen würde, ja so ist es. Aber tatsächlich ist es so. Also ich kann mich noch erinnern also früher so Kommunion Konfirmation war zum Beispiel ein ganz großes Thema. Da hat man Fenster gemacht, dann hat man die: Ware bestellt extra für diese Feste oder auch Ostern Ostern geht natürlich immer noch was, so ist es nicht. Aber es wird wirklich weniger. Es kommen weniger Kunden spontan rein. Wir haben jetzt in unserer Buchhandlung das Glück, dass wir einen sehr großen Anteil an Stammkunden haben, aber wir brauchen natürlich ganz dringend die jungen Familien, wir brauchen die jungen Leute, die wieder da sind und für die müssen wir uns wirklich was überlegen, dass wir die nicht verlieren weil es ist halt einfach irgendwas zu bestellen wie wir alle wissen. Dr. Stefan: Und wie sieht das, weil du gerade sagst die jungen Leute, wie sieht das da im Bereich Romans aus? Geht da was in Nürnberg, Aibach? Doris Müller-Höreth: Jein eher nein. Dr. Stefan: Weil die Konkurrenz in der City einfach da ist und größer ist oder weil es im Internet bestellt wird oder weil ihr Events machen müsstet mit einer Größenordnung, die ihr vielleicht kaum stemmen könntet? Weil Mr. Ralf: es communityorientierter ist

Doris Müller-Höreth Also...: Um das Ganze mal etwas diplomatisch auszudrücken. Am besten verkauft der Buchhändler das, was er liebt. Und wir brennen einfach mal für andere Dinge. Das ist nicht ganz so. Deshalb habe ich jetzt auch Jein gesagt, weil wir haben eine wunderbare Auszubildende, die natürlich diese Sachen auch liest. Und die hat auch ihre Kunden. Und wir haben auch Kunden die Bücher einfach kaufen, weil sie gebraucht werden, weil sie verschenkt werden. Aber die Zielgruppe direkt, die kommt nicht in unseren Laden. Die findet eher Glück. Einfach in größeren Läden, die das wirklich können, die für die Bücher brennen. Und das kann ich auch verstehen. Dr. Stefan: Also du bräuchtest wahrscheinlich schon 50 Quadratmeter nur dafür, damit du einfach diese Riesenauswahl hättest. Doris Müller-Höreth: Ich müsste einfach mal so ein Buch lesen. Mr. Ralf: Ah Doris Müller-Höreth: okay.

Mr. Ralf Ja aber vielleicht ist es ja auch immer diese Diskussion die wir jetzt gerade auch mit anderen führen, das haben wir ja auch mit anderen Buchhändlerinnen und Buchhändlern schon gehört, dass die, die jetzt eher so ein kuratierteres Angebot in Buchhandlungen haben, sich dann doch mit dieser Fülle: an Titeln, die es da gibt, oder man kann ja auch schon fast Schwämme sagen, sich da einfach wahnsinnig schwer tun, weil man muss natürlich auch aus einem großen Angebot auswählen. Und ist das auch so ein ganz, ganz wichtiges Thema, die richtige Auswahl zu treffen und die richtige Auswahl zu finden und woran orientierst du dich da? Das Doris Müller-Höreth: ist ja jetzt ein echt interessantes Thema für mich, weil ich glaube, dass wirklich die Zielgruppe zu einem kommt, wenn man sich selbst treu bleibt. Bücher für die man brennt auch einkauft. Also ich kann mich erinnern vor 26 Jahren, als wir in Albach angefangen haben, Belletristik zu verkaufen, mit der ich auch nicht so viel anfangen konnte. Und wir haben dann angefangen unsere Lieblingsautoren einzuladen aber nicht in Albach, sondern in Nürnberg in der Kulturkellerei lesen zu lassen.

Und dann haben sich unsere Kunden wirklich... Direkt bei uns beschwert. Die haben gesagt, also da kommen wir nicht hin, macht doch eure Kulturarbeit hier bei uns. Und dann haben wir angefangen, also es gibt auch Veranstaltungen wie zum Beispiel das Blätterrauschen,: wir lesen Bücher abseits der Spiegel-Bestsellerliste und diese Bücher weil wir da konkret dran geblieben sind, die können wir mittlerweile auch in unserer Buchhandlung verkaufen. Wir können anspruchsvolle Belletristik verkaufen, wir können sehr, sehr teue wirklich gute Kinderbücher verkaufen, weil wir sie einfach lieben. Und ich persönlich liebe zum Beispiel auch ab und zu meine richtig gute Fantasy und ich kann Fantasy verkaufen, weil ich die Bücher lese. Das andere, ich habe mich einfach noch nicht damit beschäftigt und es interessiert mich momentan auch nicht wirklich. Und ich möchte das aber nicht verteufeln im Gegenteil ich liebe jedes Buch und ich freue mich über jeden Leser aber bis jetzt ist es einfach noch nicht so unseres.

Dr. Stefan Und wenn die Auszubildende da, wenn du dir freie Hand lässt, ist ja auch eine gute Möglichkeit, dass sich da was tut. Gleichzeitig ist es so, dass du zum Beispiel für die LG Buch hast du mit der Jutta Bummel zusammen, der Buchhändlerin vom Eulenspiegel in Hochheim, immer wieder Empfehlungskataloge weiß ich nicht, Broschüren gemacht im Kinder- und Jugendbereich.: Also du bist ja eine große Sortimenterin, Sortiment kommt von sortieren, also du bist ja im Auswählen da sehr geübt. Buchauswahl & Katalog 'Bücher zum Abheben' Doris Müller-Höreth: Das machen wir auch immer noch. Der Prospekt, den wir machen, der heißt Bücher zum Abheben, den machen wir zusammen mit dem Robert-Mod-Set und mittlerweile darf also jeder unabhängige Buchhändler jede Buchhändlerin diesen Katalog auch kaufen. Wir haben eine richtig schöne Auflage jetzt zusammen, also fast 20.000 Exemplare und wir haben fast 100 Abonnenten und wir versuchen auch wirklich, also für Kinder von 0 bis Zehn, eine schöne Auswahl zu finden. Dr. Stefan: Was ist das dann für ein Format? Ist das so was was an der Kasse liegen kann? Das Doris Müller-Höreth: ist ein kleines Format, so ein C6-Format Sieht aus wie ein Briefumschlag und es passt wunderbar in jeden Gutschein rein.

Also wir machen das tatsächlich in unserer Buchhandlung so, dass wir die Prospekte dann in den Gutschein reintun. Wenn wir ein Kinderbuchgutschein verschenken ist gleich der Katalog mit dabei. Und natürlich kann man den auch wunderbar an die Kindergarten schicken: oder an die Grundschulen, um da eine Ausstellung zu machen. Dr. Stefan: Ganz praktisch gefragt, Buchhandlungen, die sagen, oh ja, da würden wir gerne mitmachen, wohin können die sich wenden? Doris Müller-Höreth: Also das Einfachste wäre wirklich Bücher zum Abheben googeln und schon ist man auf der Seite von Robert Motzet und kann den Katalog bestellen. Man kann aber auch jederzeit auch Jutta Bummel, Buchhandlung Eulenspiegel oder mich, Buchhandlung Pelzner. Anrufen und wir sagen dann Bescheid. Mr. Ralf: Und wenn es ja jetzt schon von den Kitas und den Erzieherinnen und Erziehern und den Schulen, die sich ja nun auch engagieren, das würde mich jetzt auch nochmal interessieren, wie sich darin so die, du hast halt die Erfahrung und hast das jetzt über viele, viele Jahre gesehen, wie sich das so entwickelt hat, das Interesse daran. Und neue Bücher kennenzulernen und in die Kitas zu bringen und in die Schulen zu bringen. Wie ist da so deine Einschätzung Ihr seid ja aktiv und geht auf die Schulen und auf die Kitas zu und da gehört natürlich auch so ein bisschen Rückmeldung aus den. Jeweiligen Orten dazu? Zusammenarbeit mit Schulen & Kitas Mr. Ralf: Wie hat sich das denn entwickelt?

Dr. Stefan Dazu muss man: sogar noch sagen, sie macht sogar noch viel mehr, weil sie geht in die Erzieherausbildung rein. Ich war mal vor Jahren mit dir war ich zusammen an einer Erzieherinnenausbildung, war Berufsschule. Da haben wir den ganzen Tag über mit Bilderbüchern Wächst man besser geredet. Das Doris Müller-Höreth: stimmt, ja. Also ich muss sagen, es wird leichter und es wird schwerer. Also für uns wird es leichter, auf die Schulen zuzugehen weil die uns mittlerweile kennen. Wir kennen sie, also wir kennen unsere Partner einfach schon sehr gut. Und die wissen ganz genau, was sie von uns erwarten können. Zum Beispiel bei einer Veranstaltung wie einer Lesung, dass sie sich da auf uns verlassen können.

Das läuft. Oder auch bei den Veranstaltungen wie zum Welttag des Buches. Das läuft gut. Der Lesekoffer die Lesetüte, diese rituellen Dinge laufen sehr gut. Auf der anderen Seite wird es natürlich schwieriger weil die Schulen alle überlastet sind an der Kapazitätsgrenze und sich möglichst wenig Zusätzliche Arbeit aufhalsen wollen und dann oft mal: Stopps sagen. Also was wir früher unglaublich gerne und auch erfolgreich gemacht haben, waren Ausstellungen in der Schule, wo man dann Bücher ausgestellt hat, die die Schüler selber kaufen durften. Das ist natürlich ein immenser Aufwand auch für die Lehrer. Da kommt man jetzt einfach... Unglaublich schwer rein, obwohl ich das sehr schade finde. Vielleicht wird es wieder besser, aber ich kann natürlich die Schule auch verstehen. Also die Aufgaben, die die Lehrkräfte jetzt heutzutage haben, die werden ja auch immer größer und verantwortungsvoller. Wir Dr. Stefan: können noch ganz viel sagen, allein mit Blick auf die Uhr. Wir danken dir, dass du dir die Zeit genommen hast, mitten im Messetrubel, aber die Gelegenheit ist so günstig gewesen, dass wir gesagt haben. Die nehmen wir beim Schopfen. Vielen Dank. Und ja, du wirst noch ganz viel heute, nehme ich an, auf der Messe erleben Wir auch. Danke. Doris Müller-Höreth: Ja, ich danke auch, dass ich eingeladen wurde. Hat mich sehr gefreut Vielen Dank.

Über diesen Podcast

Der Fachpodcast für Kinderbuch und Jugendbuch! In der Kinderbuchpraxis werden alle Themen rund um Kinder- und Jugendbücher behandelt. Bekannte Autor*innen, Illustrator*innen oder Verleger*innen und viele weitere spannende Gäste kommen in die Praxis zu Mr. Ralf (Ralf Schweikart) und Dr. Stefan (Stefan Hauck). Das ungleiche Duo rückt schon mal aus zum Hausbesuch. Zweimal im Monat erscheint eine neue Folge - am zweiten und am vierten Freitag. #kinderbuch #kinderbücher

von und mit Stefan Hauck und Ralf Schweikart

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