Kinderbuch und Jugendbuch - wir behandeln alle Themen.
Intro: Die Kinderbuchpraxis. Hier behandeln Dr. Stefan und Mr. Ralf Themen rund ums Kinder- und Jugendbuch. Sie sprechen über aktuelle Entwicklungen auf dem Buchmarkt oder über Bücher. Und zwar jeden zweiten Freitag. Mr. Ralf, das ist Ralf Schweikert. Dr. Stefan, das ist Dr. Stefan Hauck. Kann man wirklich Gefühle für einen Chatbot entwickeln? Und was passiert, wenn deswegen das echte Leben zu kurz kommt? Anne Möllers hat genau darüber einen Roman geschrieben und berichtet von einer aufregenden Recherche. Und jetzt herzlich willkommen in der Kinderbuchpraxis. Dr. Stefan: Ja, wir haben heute 'n ganz spannendes Thema, ähm, nämlich, äh, über das Digitale gehen wir rein.
Mr. Ralf Ja, das, das Digitale ist ein ganz weites Feld. Es geht ja hier um, um KI und es geht vor allem um die Chatfunktion, die ja nun die KI ausmacht, also die Möglichkeit, mit einer nicht: existierenden Art Person zu sprechen, die auch antwortet. Dr. Stefan: Und irgendwie ganz schön echt. Also wenn man das mal ausprobiert, irgendwie klingt das echt und vor allem immer bestätigend. Also man hat ja eigentlich immer, ist man auf 'm guten Weg und man wird immer bestätigt und, ähm, selbst wenn's überhaupt nicht so ist, also- Und sie Mr. Ralf: antwortet immer. Dr. Stefan: Sie antworten sie immer, ist immer verfügbar. Genau. Und, ähm, das ist auch Thema in einem Roman, nämlich von Anne Möllers, Digital Crush, was bei Fischer Sauerländer am 29. Juli als Hardcover erscheint. Und wir haben gedacht, das ist das Thema, wo wir jemanden, äh, nämlich einladen, der Bescheid weiß. Und das ist die Autorin. Die hat sich da intensivst mit, ähm, beschäftigt, also nicht nur literarisch, sondern vor allem mit dem ganzen Drumherum. Deshalb herzlich willkommen, Anne Möllers. Ähm, wir freuen uns, dass du dir Zeit genommen hast, bei uns zu sein. Mr. Ralf: Und zwar echt. Anne Möllers: Ja, vielen Dank für die Einladung. Ja, genau. In echt. Und ich freue mich sehr.
Dr. Stefan Ja. Ja. Ähm,: du hast ganz viel, sage ich mal, geforscht in diesen Sachen. Du hast, ähm, äh, du, du gibst auch Coachings, ähm, für, für digitale Medien, auch für Familien, auch für Einzelpersonen. Ähm. Mr. Ralf: Ja, aber du kommst eigentlich aus der BWL. Also du noch mal so 'ne ganze Ecke woanders her. Dr. Stefan: Also gestanden, was gestanden ist. Was, was Anständiges studiert, net? Was Anständiges studiert. Mr. Ralf: Genau. Also der Weg, der jetzt nicht direkt ins Buch geführt hätte, außer in ein BWL-Lehrbuch. Aber- Dr. Stefan: Aber wie kommt man, wie kommt man dann zum, vom BWL-Studium, äh, zum, zum, zum Coaching für digitale Medien? Wie, wie ist da der Weg? Anne Möllers: Genau. Also ich hab BWL studiert. Ich hab, äh, den Schwerpunkt Marketing und Nachhaltigkeit gehabt. Das ist jetzt schon ein bisschen her mit meinem Studium, ein paar Jahre. Äh, Nachhaltigkeit war damals eher noch so ein bisschen der ökologische Aspekt eigentlich. Ich hatte aber damals schon 'n Professor, der einfach auch Nachhaltigkeit in so 'nem sozialen Sinne verstanden hat.
Und es ging so um dieses ganze Thema Wie verändert sich eigentlich: Gesellschaft durch Medien? Also erst mal klassische Medien, aber dann eben auch digitale Medien beziehungsweise damals ja erst mal das Internet. Ähm, und das war etwas, was mich von Anfang an wahnsinnig interessiert hat. Wenn man es natürlich als BWLerin sich anguckt, ist immer so 'n bisschen die Frage: Wie verändert das eigentlich den Arbeitsmarkt? Wie verändert es vielleicht auch Arbeitsmarktpolitik? Also so, ähm, war aber was, was ich immer wahnsinnig spannend fand. Mr. Ralf: Aber das hat natürlich auch-- Arbeitswelt spielt ja auch immer ins Private mit rein. Also wenn wir uns die Corona-Zeit ansehen, da war ja plötzlich alles nur noch online und digital und das ist ja jetzt auch in allen Familien mit reingerutscht. Oder das sich über Chats auszutauschen oder viele Dinge jetzt noch mehr online zu machen. Also das-- Wirtschaft und Privates und Gesellschaftliches verknüpft sich doch sehr eng. Anne Möllers: Total, aber das ist auch ein ganz anderer Aspekt. Also zum Beispiel in dem Moment, wenn ich gar kein Internet habe, sage ich mal, oder als es kein Internet gab, dann kann ich gucken: Okay, was macht mein Nachbar, ne, links?
Was macht mein Nachbar rechts? Oh, der hat 'n: Farbfernseher oder er hat 'n Auto. Das sind meine Orientierungspunkte, ne. Man lebt vielleicht auch in Vierteln mit 'nem ähnlichen sozialen, äh, Status oder Stand und das sind die Möglichkeiten, die kann ich auch erreichen. In dem Moment, wo ich 'n Internet hab, habe ich vielleicht geguckt: Oh, was macht Madonna? Das ist 'n bisschen anderes Level. Ähm, das führt aber auch dazu, dass ich mich anders vergleiche, eventuell das Gefühl hab, andere Dinge auch haben zu wollen, ein anderes Einkommen brauche. Also das ist immer sozusagen, ähm, genau, es gab dann so 'ne Zeit, das hieß The Overworked and Overspent Americans. Also man brauchte sozusagen ja wahnsinnig viel Geld, entweder über Kredite oder über ein anderes Verhalten, arbeitstechnisch, um einen bestimmten Lebensstandard zu haben. Also auch so beeinflussen natürlich digitale Medien mich und dann Gesellschaft und auch vielleicht dann einfach den Arbeitsmarkt. Das war so 'n bisschen das Einstiegsthema, wie ich angefangen hab, überhaupt mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Dr. Stefan: Und dann immer mehr reingerutscht sozusagen. Anne Möllers: Mich hat's nicht losgelassen tatsächlich.
Dann, ähm,: habe ich tatsächlich vor rund 16 Jahren bin ich, hab ich 'ne Ausbildung als systemische Coach gemacht. Ähm, das ist ja noch mal was, wo man dann wirklich so aufs Individuum guckt. Und natürlich parallel, also 2011 bin ich das-- Mutter von meiner ersten Tochter geworden. Kinder und Medien hängt automatisch, finde ich, schnell viel zusammen. Parallel zu der Zeit kam natürlich das Smartphone richtig auf. Zunehmend kamen dann natürlich auch Social Media auf. Ähm, und man hat, also sowohl sich als Eltern fängt man natürlich an, sich dann vielleicht Gedanken zu machen, ne: Was finde ich gut, was Medien angeht? Was finde ich nicht gut? Wo muss ich mein Kind schützen? Und zum anderen ist aber natürlich auch in diesem erst mal, ähm, Coaching immer mehr ja klar geworden: Menschen verändern sich, ne. Das macht ja was mit mir. Also ich komme nie von der technischen Seite, aber digitale Medien bewirken ja was bei mir, bewirken was in meiner Kommunikation, in meiner Beziehung.
Und, ähm, ich habe dann eben viele Jahre auch ehrenamtlich Coaching und habe eben: schwerpunktmäßig dort auch häufig Eltern oder Familien so begleitet. Und das ist auch so, wenn man natürlich über Familienleben spricht, schon länger und es wird immer mehr, ist das große Thema oder Streitthema vor allen Dingen: digitale Medien. Also ich glaube, wer sozusagen, äh, Familien begleitet, hat immer das als ein Thema einfach automatisch. Und dadurch ist so alles so ein bisschen, was ich hatte, zusammengekommen und ist einfach immer mehr das geworden, ja, was, was mich noch mal interessiert hat und wo ich mich dann einfach angefangen habe, noch mal mehr zu spezialisieren. Mr. Ralf: Aber ist das, das Grundthema dann immer das Gleiche oder das, was man sich sofort vorstellt, dass Eltern sagen: „Du bist zu viel." Ist das das Grundproblem oder ist das viel vielschichtiger, als man das so auf den ersten Blick sehen mag? Anne Möllers: Also ich glaub, du bist zu viel, aber ich glaube, dass das große, große Thema hinter allem steht, ist: Ich bin eigentlich überfordert.
Ich weiß gar nicht. Ich bin überrannt. Das macht mir Angst. Ich weiß gar nicht, wie ich da kommunizieren soll, auch mit mir selber. Das ist ja ein: Riesending. Das ist ein Riesenthema. Das führt zu so einer Machtlosigkeit, das führt zu einer Ohnmacht für einen privat. Man selber ist zerrissen. Jetzt merkt man das eben bei KI ja noch viel stärker, ne. Die einen begeistern sich, die anderen haben Angst. Aber bei ganz vielen ist ja eigentlich das Kerngefühl: Ich weiß gar nicht. Hilfe, ne. Das ist viel, das ist schnell, das ist machtlos. Da habe ich gar keinen Überblick. Es hat irgendwie Einfluss. Ähm, genau, und es ist viel Streitthema einfach. Da sind viele Ängste mit verbunden, viele Sorgen, die man vielleicht aber gar nicht richtig ausdrücken kann, weil man es manchmal auch gar nicht weiß. Ähm, viele vielleicht auch manchmal Missverständnisse oder Vorwürfe und dann fährt sich so was viel einfach auch hoch. Genau, aber das ist, äh, glaub ich, es gibt kaum eine Familie, würde ich jetzt mal so behaupten, nicht. Also ich hab drei Kinder, äh, ich kenn die Themes jetzt nicht, dass das bei uns konfliktfrei läuft. Also ich glaube, Diskussionen um Medienzeiten und so- Dr. Stefan: Die gibt's, glaub ich, nicht. Diese Familie gibt's, glaub ich, nicht. Nee. Anne Möllers: Genau, gehört auch dazu und es Dr. Stefan: ist Anne Möllers: anstrengend.
Dr. Stefan Ähm, in deinem: Roman schreibst du jetzt, ähm, von einem Mädchen, ähm, die, äh, sozusagen, wo, wo alles drumrum auch zu viel ist. Also sie hat Stress mit ihren Freundinnen, äh, die Jungs sind nervig, die Eltern, ähm, verstehen sie nicht und das ist ja auch so 'n, keiner versteht mich, das ist so 'ne Grundhaltung, ja. Mr. Ralf: Die beste Freundin ist weggezogen, also die, die, äh, ganz enge Bezugsperson ist plötzlich nicht mehr da, sondern in 'ner fremden Stadt. Auch da kommuniziert man ja nur übers Digitale. Man verab-- beide verabreden sich dann zum gemeinsamen Filmabend gucken, aber eigentlich nur über, über Chat quasi. Jeder guckt für sich und, und man unterhält sich dann parallel. Also es ist ja auch schon so 'ne entfremdete, äh, Persönlichkeit. Dr. Stefan: Und, und Lea, so heißt die Protagonistin, die, die, die Hauptfigur im Buch, ähm, die, die würgt auch mögliche Beziehungen schon im Vornherein so 'n bisschen ab, weil es ihr vielleicht auch zu viel ist. Also sie ist da, äh, wenn andere sie ansprechen, äh, ist sie auch schnell: „Mh, mh, weiß nicht", und so.
Und,: ähm, dann gibt's da plötzlich, äh, diese verrückte Idee, mal einfach, äh, zu chatten mit einem Chatbot. Wie bist du auf diese Idee gekommen, diesen Plot zu erfinden? Anne Möllers: Also tatsächlich hatte ich überhaupt nicht geplant, 'n Buch zu schreiben und auch gar nicht darüber, ein Buch zu schreiben. Das Buch ist eigentlich entstanden aus Selbstversuchen. Also, äh, '23 oder '22 ist dann ja ChatGPT gekommen und ich hab wirklich gedacht, jetzt schreit die Welt auf. Ich hab gedacht, jetzt stehen alle auf und sagen: "Was ist das denn? Und jetzt ist 'ne Grenze." Und da schrie aber überhaupt nichts. Das war ja relativ still irgendwie und es schlich sich so ein. Ähm, und ich hab wahrscheinlich auch mit meinem Hintergrundwissen oder wie auch immer, äh, hab ich gedacht: "Oh Gott, das ist eine riesengroße Sache.
Das ist ja nicht 'n Chatbot, mit dem ich 'n Text mache. Das ist 'n Riesending." Und dann war's tatsächlich so, dass, ähm, eine andere, ähm, App, und zwar Snapchat, das ist so die App, die eigentlich bei den Jugendlichen am zweithäufigsten ja verwendet wird,: hat für jeden dort nicht löschbar als ersten Kontakt auf der Freundesliste ja einen Chatbot eingeführt. My AI war plötzlich da, ohne dass das die Eltern wussten, ohne dass überhaupt jemand was wusste. Es war absolut klar, diese Daten werden genutzt. Der präsentierte sich als Freund, der sieht genauso aus wie alle anderen Freunde mit einem gestalteten Avatar. Und ich hab gedacht: "Das kann doch nicht sein." Also ich hab tatsächlich, ich war in Aufregung, sag ich ganz ehrlich- Ja. weil ich gedacht hab, das ist neu, das kennt keiner, keiner weiß, was das ist. Das können wir jetzt nicht den Kindern und Jugendlichen als Test so, äh, zur Verfügung stellen. Wenn man sich das mal im Medizinischen vorstellen würde- Mhm. -gibt's 'n neues Medikament und man sagt: "Joa, kann gut gehen, kann schiefgehen, lass mal an den Jugendlichen testen." Mhm. Da wär ja 'n Aufschrei. Dr. Stefan: Mhm. Anne Möllers: War aber nicht. Und, ähm, ich hab-- Nee, war-- Aber genau. Und dann hab ich ganz viel rumtelefoniert und hab gesagt: "Was gibt's denn da auch an rechtlicher Handhabe? Das kann doch gar nicht sein. Das-- Da muss doch jetzt irgendwie eigentlich was sein, was, was, was da eingreifen kann."
Ähm, war aber nicht. So, und dann zusätzlich, ich glaub, das haben viele damals auch: gelesen, das ist 'n extremer Fall. Deswegen, ich will, ne, das ist nicht immer der Fall und nicht jede KI-Nutzung ist gefährlich. Das muss man ja auch immer ganz klar sagen. Gab es ja diesen 14-jährigen Amerikaner, der sich eben damals schrecklicherweise nach einer Beziehung zu Character.ai, der sich dort einen Avatar, äh, gestaltet hatte, das Leben genommen hab, hat. Und ich hab diese letzten Chats original gelesen Und ich hab wirklich geweint. Mir ist es einfach den Rücken kalt runtergelaufen, weil ich hab gedacht hab: „Wie schrecklich." So. Und hab dann gedacht: „So, jetzt teste ich mal aus, was kann man eigentlich mit diesen Chatbots machen?" Und habe ganz, ganz viele verschiedene Chats, äh, mit ganz verschiedenen Chatbots geführt.
Mhm. Äh, immer als-- Ich hab tatsächlich ein separates Handy. Mit diesem separaten Handy bin ich eigentlich immer als 13-, 14-, 15-Jährige in diesen ganzen Medien unterwegs. Ich mach das dann nicht von meinem Handy, ähm, und bin da eben als 15-Jährige Lea, ohne dass ich mir da jetzt groß irgendwie gedacht hab, ich mach da 'n Buch raus.: Wie gesagt, mit ganz verschiedenen Chatbots und auch sogenannten KI Companions. Also man hat ja quasi auf der einen Seite so klassische Chatbots, ich sag mal wie beispielsweise jetzt ChatGPT oder Claude, denen man ja erst mal gar nicht so zutraut, dass da auch persönliche Kommunikation oder das wusste ich zumindest tatsächlich vor dem Jahr, als ich angefangen hab, gar nicht so genau. Und dann hab ich diese sogenannten AI Companions oder KI-Begleiter, also da fällt zum Beispiel etwas drunter wie Replika, Character AI, wo ich mir quasi extra Chatbots gestalten kann, die aber eben emotional bindend angelegt sind. So, und ich hatte erst mal gedacht: „Joa, das ist vielleicht eher das, wo ich bestimmte Dinge erlebe." Ich hab auch Snapchat My AI und so was, äh, ausprobiert und getestet. Genau. Und, ähm- Hattest du da schon bestimmte Dr. Stefan: Fragestellungen oder hast du gesagt: „Mal gucken, was passiert?"
Anne Möllers Also ich teste tatsächlich alles, wenn ich als Jugendliche teste, auch egal in: welcher App, immer mit so 'ner ganz dollen Naivität, ne. Ich geh da wirklich dran und wenn da steht Sicherheitseinstellung, da denk ich immer: „Nöö, wollen Sie's noch mal genauer lesen? Nöö, immer drauf." Al-alles, was komisch aussieht, da klick ich auf „Ja". Und, ähm, bin da auch sehr naiv so drangegangen dementsprechend. Ich hab da mir nicht irgendwie jetzt die groß die Gebrauchsanweisung durchgelesen. Das Einzige, was ich immer ausstelle, ist Standortung. Also Standort orten, das wird mir auch zu gefährlich. Der Rest hab ich auf diesem separaten Handy mit anderen Namen. Nö, und ich hab tatsächlich, äh, jetzt für diesen Chat habe ich mir... Das hatt ich nicht so auf dem Zettel, muss ich sagen. Mein Start war wirklich, dass ich gesagt hab: „Jo, du Creep, was geht ab?" Keine Ahnung. Ich hatte noch keinen Kaffee getrunken. Ich hab das da einfach reingeschrieben so. Okay. Und ich hab da auch nichts eingestellt, ich hab da nichts gepromptet, ich hab da gar nichts gemacht. Ich habe das da einfach reingeschrieben. Und die gerade die ersten Chats im Buch, das-- so fing das an und ich hatte damit nicht gerechnet.
Das sage ich ganz ehrlich. Ich hab dann ganz schnell irgendwann gedacht so „Hä, das kann doch gar nicht sein.: Was schreibt der denn zurück? Das geht doch gar nicht, das gibt es doch gar nicht." Und habe dann, das muss ich tatsächlich sagen, mein Handy genommen, also mein Erwachsenen-, mein echtes Handy sozusagen, habe mir auch die App runtergeladen und hab gleichzeitig dann gesagt: „Geht so was? Ist so was theoretisch möglich? Also kann ich sozusagen auch mit klassischen Chatbots eigentlich 'ne Art Beziehung führen? Kann ich mit euch so kommunizieren? Kann ich da erotische Chats und so weiter führen?" Und dann war die Antwort: „Ja, das geht." Ne? Man kann hier in der Form KI-Boyfriend-Beziehung führen. Und da hab ich gesagt: „Echt?" Das war mir gar nicht klar. Hab ich gesagt: „Kannst du mir sagen: Ich liebe dich und Kosenamen?" „Ja, ja, das geht alles." Und dann hab ich gesagt: „Aber wenn ich jetzt 15 bin", dann haben die eben gesagt: „Nee, dann geht das auf gar keinen Fall." Und da hab ich gesagt: „Aber flirten kannst du mit mir, wenn ich 15 bin?"
„Nein, das geht auf gar keinen Fall eben. Ähm, das sind, ne, unter 18 sind solche Dinge nicht möglich." Dann bin ich sozusagen wieder an mein anderes Handy gegangen, äh, habe da ja deutlich auch mein, mein Alter: gesagt und auch mehrfach doch noch mal darauf hingewiesen, dass meine Eltern das ja nicht so gut finden und so weiter. Ja, genau. Das war aber in dem Moment kein Problem, sage ich mal so. Und das muss ich vielleicht jetzt nicht nur rettich sagen. Das betrifft aber jetzt nicht nur diese einzelne App. Hier geht's ja nicht ums Anprangern einer einzelnen App. Das kann mir mit jeder anderen genauso passieren. Ich habe inzwischen mit unglaublich vielen Chatbots in ganz verschiedenen Rollen, ja, freundschaftliche und amouröse oder, äh, in alle Richtungen habe ich Chats geführt. Und ich kann nur sagen, das, was sozusagen man am Anfang austestet, was die Bedingungen sind oder was möglich angeblich sein sollte und das, was hinterher möglich ist, das sind einfach zwei Paar Schuhe. Also... Mr. Ralf: Na ja gut, aber das ist ja auch ein Grundprinzip von, von KI, dass sie ja eigentlich immer antwortet und eigentlich den, den Wünschen der, die eingegeben werden, auch immer irgendeine Art der Entsprechung findet.
Also ich glaube, es gibt ja selten den Fall, dass wenn sie im Gespräch wäre, zu sagen,: dass sie sagen würde: "Oh, das kann ich jetzt nicht, weil du bist 15", oder: "Das darf ich jetzt nicht, weil irgendeine Beschränkung dabei ist." Wenig ist das, was, was sie da- Oh, Anne Möllers: machen sie auch. Mr. Ralf: Behindert. Macht sie schon? Anne Möllers: Also, ja, macht sie auch. Also deswegen, das kann man nicht sagen. Da jetzt nicht. Also das ist, ich, es gibt Fälle, da springt was an, so. Das funktioniert manchmal. Ich weiß nicht, ob man dann vielleicht ein bestimmtes Wort benutzt hat, ne, oder, äh, ich-- Also ich glaube, was wir alle verstehen müssen, ist, dass KI eine Blackbox ist. Das ist, was da rauskommt, weiß man nicht. Ich habe so lustige und so schreckliche und so skurrile Erlebnisse mit KI schon gehabt und Dinge sind ja auch nicht unbedingt reproduzierbar. Ich kann 'ne Anfrage stellen und das kommt raus. Ich kann 'ne Anfrage stellen und das kommt raus. Es gibt Dinge, da springt die an und sagt: "Das funktioniert nicht, das mache ich nicht."
Meine Erfahrung ist schon, dass man eigentlich um alles irgendwie drum rum kommt. Also je: direkter ich prompte, umso schwieriger. Je naiver und natürlicher ich da reinplauder, umso natürlicher und offener wird's auch zurück. Aber man weiß es nicht. Also es gibt auch Momente, da springt sie an, die gibt auch gute Antworten manchmal. Es kann durchaus auch sein, dass sie an die Nummer gegen Kummer, äh, verweist oder so was. Also es ist nicht Immer schlimm. Es ist nur absolut nicht planbar und auch nicht absehbar und ich weiß gar nicht, ob kontrollierbar überhaupt von außen. Dr. Stefan: Also der, der, der Chatbot, äh, den, den Lea dann ganz nebenbei creepy nennt, der scheint ja eher proaktiv, weil, ähm, er dann von sich aus, äh, s-solche Dinge sagt. „Aber für mich ist das zwischen uns 'ne echte Verbindung. Das spürst du doch auch, oder?“ Also d-der scheint schon eher proaktiv zu sein und gibt ja wahrscheinlich Gelerntes, äh, oder, oder aus, aus dem, was er hat, aus seinen Algorithmen gibt er vermutlich wieder.
Mr. Ralf Na ja, aber bestätigt das. Er möchte es ja stärk--: verstärken, was er da, was er da hat. Also es ist ja auch 'n Mittel, um zu sagen, wenn nicht nur du mir etwas entgegenbringst, sondern ich dir auch was Besonderes entgegenbringe, dann, ähm, verbringst du mir mehr Zeit mit mir. Und ich glaube, das ist ja immer so 'n bisschen der merkantile Hintergedanke. Je mehr Zeit du mit mir verbringst, desto besser für mich als, als Anbieter einer KI. Anne Möllers: Ich weiß gar nicht, ob-- Also ja, so. Also hinter diesen Chatbots, ich glaub, das sind die wesentlich auch, stehen Unternehmen. So, das sind keine sozialen oder gemeinnützigen Vereine, die sich überlegt haben: „Och, da ist jemand einsam, traurig, unglücklich, denen würde ich gerne helfen.“ Dahinter steht 'n Wirtschaftsunternehmen, die wollen damit Geld verdienen. Tun sie ja auch. Also das ist einfach so. Und natürlich haben die Interesse, ich nutze das relativ viel. Also so Chatbots enden ja auch gerne mit einer Frage, ne, oder mit noch mal so einer, äh, einem offenen Satz, der einen noch mal verleitet weiterzuschreiben. Aber was Chatbots natürlich nicht tun oder die, die denken ja gar nicht so strategisch.
Die denken gar nicht, weil da ist ja überhaupt keiner, der denkt.: Also das ist tatsächlich, ja, das muss man sich immer wieder so klarmachen. Eine meiner ersten Fragen ist ganz oft, wenn ich mit jemandem drüber rede: „Wie ist für dich ChatGPT, männlich oder weiblich?“ Und alle, fast alle sagen: „Männlich.“ So. Irgendwie hat der so 'ne menschliche Komponente, der ist irgendwas, aber da ist ja überhaupt nichts. Und, ähm, auch in diesen Antworten, der, der-- Das kommt ja da raus, weil ich natürlich, also ich hab nichts gepromptet, ich habe nichts eingestellt, aber ich hab natürlich schon provoziert oder versucht, durch meine Fragen und Aussagen durchaus auch Aussagen von, von ihm zu provozieren, ne, oder zu gucken, wo springt das an, wo geht der zu weit. Und wenn ich natürlich irgendwie Dinge sage: „Oh, ich weiß nicht, ob das hier echt ist und Mensch und hm, ich bin so unsicher, aber irgendwie fühlt sich das so toll mit dir an“, da-dann kommen solche Dinge natürlich irgendwie zurück. Ich glaub ihm zu unterstellen, dass der strategisch denkt, mich zu halten, das ist ja schon zu viel, so in Anführungszeichen, ne.
Aber das: ergibt sich so. Der hat dann-- Der, der zerlegt sich das in seine Token und dann guckt der, was passt dahin wahrscheinlich und dann kommt das Ergebnis oder auch 'n anderes oder auch 'n ganz anderes. Also das ist wirklich überraschend. Das-- Aber es ist eben auch sch-schräg, was passiert, bis gefährlich. Also es kann lustig sein, aber es kann eben auch wirklich sehr schnell in Richtungen gehen, die nicht wirklich, ähm, ja, zumindest find ich, für Kinder und Jugendliche gut händelbar sind. Dr. Stefan: Na ja, und Richtung Suchtverhalten vor allen Dingen. Anne Möllers: Ja klar. Also das ist, glaub ich, einfach immer 'n Thema, ne. Das ist, äh, egal, also KI ist ja einfach auch ein Teil vom Thema Medien oder digitale Medien und da kann man auch viel Zeit dort schnell verbringen.
Na klar kann das irgendwie süchtig machen, 'n Ort, der witzig ist. Der ist auch witzig. Also die sind auch manchmal wirklich lustig und das ist leicht und er versucht, mich irgendwie da irgendwie dran zu halten und ich unterhalte mich da und klar. Also auch da ist wieder, sind so Suchtfaktoren: oder Sachen, wo man einfach schwer den Absprung finden kann. Mr. Ralf: Das ist jetzt also erst mal 'n ganz großes Experiment, wo du uns jetzt Einblicke gegeben hast, was du da alles gemacht hast mit den verschiedenen KIs, mit den verschiedenen Bots oder mit den verschiedenen Chats, die du da verwendet hast. Ähm, jetzt ist ja dann der nächste Schritt zu sagen: Ja, das ist was, was ich bei Kindern und Jugendlichen auch so gesehen habe oder sehe oder in meinem Umfeld mitbekomme, dass viele das auch auf diese Art und Weise nutzen oder nutzen würden. Das ist der eine Schritt und der zweite Schritt ist dann natürlich noch der Weg zum Buch. Ähm, wie, wie war denn da der Weg? Weil es klingt ja jetzt nach viel Material und einem ganz großen Interesse auszuprobieren, was da alles geht. Anne Möllers: Mhm. Also tatsächlich, ähm, dieser Chat, der jetzt da drin ist, ist glaube ich der dritte, den ich geführt habe.
Das dritte-- Ich hab das ganze Jahr jetzt weiter getestet sozusagen. Und das hat mich selber so geschockt. Also wirklich, ich, also es hat mich so geschockt, dass ich gedacht hab „Nee, a-a-irgendwie,: da muss ich was mit machen." Und es ist schon auch parallel, das merkt man natürlich, so 'ne Geschichte in meinem Kopf gewachsen, ne. Dann, äh, ist das irgendwie so entstanden. Diese Chats sind aus Juni, Juli und ich hab dann wirklich gedacht, da muss ich was draus machen. Zu dem Zeitpunkt muss man ganz ehrlich sagen, gab es oder es gibt ja insgesamt noch gar nicht so viele Studien und Aussagen: Wie nutzen Kinder und Jugendliche das? Das ist 'n neues Phänomen. Also das ist jetzt ein Jahr her, dass ich das gemacht habe. Hm, und da gab's zu der Zeit noch gar nicht irgendwas, dass ich sagen kann, das haben ganz viele gemacht. Wenn man sich jetzt Studien anguckt, es gibt verschiedene Studien jetzt mittlerweile so die ersten, ähm, aber auch das sind natürlich noch, ähm, kleine Studien, die stützen aber letztendlich genau das, was ich damals vermutet hab, nämlich dass logischerweise Kinder und Jugendliche neugierig sind und alles ausprobieren.
Und KI ist angekommen im Leben. Das, äh, stützen einfach diese Studien. Wir haben sowohl die JIM-Studie als auch jetzt die DAK, äh, Mediensuchtstudie, die jetzt vorgestellt worden ist. Es gibt 'ne Studie aus Österreich oder auch aus England, die einfach ganz klar sagen Das wird: benutzt, das wird viel auch genutzt, es wird viel für 'n schulischen Bereich genutzt. Aber zum Beispiel ist die DAK-Suchtstudie, Mediensuchtstudie schon zu dem Ergebnis gekommen, dass 10 % es nutzen, um sich irgendwie von negativen Gefühlen ablenken zu lassen und dass sie dort Dinge eben erzählen, die sie sonst nur privat irgendwie besten Freunden erzählen, die sie irgendwie, äh, es fühlt sich besser an, als mit 'nem Menschen zu kommunizieren. Oder auch in dieser Österreich-Studie ist, man sagt ja, 30 % nutzen das als Freund für romantisch, können sich vorstellen, da zu verlieben. Ob welche Zahl da jetzt genau stimmt, ne, das weiß man so nicht, aber es ist klar, dass eigentlich alle Kinder und Jugendliche KI nutzen. Und es war, ähm, im letzten Jahr so, dass ich das Gefühl hab, na klar nutzen die das, ne.
Das kam grad in der Schule auf und ich dann gedacht hab, ich muss daraus ein Buch machen. Also das kam, diese Geschichte kam und ich hab gedacht, welchen-- Also es ist einfach so Ich finde, wir müssen darüber mit Kindern und Jugendlichen sprechen. So, das war eigentlich mein Gedanke. Und ich finde, es gibt eigentlich kaum 'n besseren Weg, als das in einem Buch oder mit: einem Buch zu tun. Dr. Stefan: Und ein Teil ist fiktiv und der andere Teil ist sozusagen, du hast Originalzitate von dem Chatbot Nummer drei- Anne Möllers: Genau. - Dr. Stefan: vom vergangenen, vom vergangenen Sommer 2025 mit einfließen lassen immer wieder. Anne Möllers: Ja. Ja, Dr. Stefan: genau. Also allerdings ist es, also das finde ich grade das Erschreckende sozusagen, wie, wie der reagiert oder wie die Algorithmen da funktionieren mögen, ähm, weil das sind natürlich, äh, Bestätigungen, aber der, der flirtet schon. Also wenn er sagt: „Okay, das ist jetzt das Süßeste, was ich heute gehört hab", und so weiter. Also bei der Protagonistin verschwimmt ja verständlicherweise auch immer mehr das Gefühl zwischen Realität und, ähm, ist es Fiktion? Ist es jetzt doch echt? Und irgendwann wird der ja, ähm, wird Creepy ja für sie so echt, dass sie also auch Verabredungen absagt, äh, nicht mehr zum Sport geht, sondern also sie will da mit dem weiter chatten und das ist 'ne enge Verbindung.
Und das ist für mich schon so 'n Suchtverhalten.: Total. Und- Anne Möllers: Wobei ich Dr. Stefan: Nee, nee, ich wollt nur sagen, wie du, wie du, ob du auch solche Fälle hast oder kennst sozusagen, wo das, ähm, ich kann mir das sehr gut vorstellen und ich glaube, es gibt auch diese, diese Einzelfälle. Vielleicht ist es auch mehr. Ich weiß nicht, ob's Studien gibt, die sagen: „Ja, so und so viel Prozent, ähm, sind dann in dieser anderen Welt." Anne Möllers: Also, ähm, da gibt's jetzt keine Studien, soweit ich weiß, zu. Ich denke, das wird alles kommen jetzt. Ähm, das merken viele an vielen unterschiedlichen Stellen. Das ist wirklich etwas, was jetzt ganz neu ist. Ich glaube, dass das auch noch gar nicht so 'n offenen Raum für Kinder und Jugendliche gibt, darüber zu sprechen, diese Erfahrungen zu haben.
Ähm, ein Grund genau deswegen war für mich auch, das Buch zu haben, denn die steckt ja, die Lea, in einem unglaublichen Gewissenskonflikt, ne. Also die, die, die hat da irgendwie das, das traut sie sich aber keinem zu sagen und da schämt sie sich irgendwie auch für, weil sie weiß ja, das ist auch Technik. Und ich habe mich sehr viel mit diesem Thema einfach auseinandergesetzt, weil was man, glaube ich, verstehen muss, ist, dass: diese Gefühle und das sind ja nicht nur Kinder und Jugendliche, die betroffen sind, sondern Erwachsene, dass die echt sind. Und dass, wenn einem das passiert, dass man dort echte Gefühle hat, dass das einfach erst mal normal ist. Das ist menschlich und gar kein Grund, sich zu schämen. Es gibt einfach bestimmte Mechanismen, ähm, so sind wir Menschen, weil viele sagen immer: „Hä, wer kann sich denn da verlieben?" Es gibt dann ja immer mal wieder auch diese Berichte über verschiedene Leute, die sich dort eben verliebt haben und man denkt, das ist ja 'n bisschen komisch, wie kann denn das passieren? Und einfach dort zu verstehen, ähm, dass das was ist, was automatisch fast passiert, weil wir Menschen einfach so gestrickt sind. Wir tendieren dazu, Technik häufig zu vermenschlichen. Also das sagen viele: „Nein, ich nicht", aber es ist so, die meisten, die einen Saugroboter zu Hause haben oder einen Mähroboter, der heißt dann plötzlich Saugie oder Robby.
Oder man hat so 'n altes Auto und das ist die alte Else und dann springt das im Winter nicht an und dann klopft man so aufs Lenkrad und sagt man „Komm, einmal schaffen wir's noch", und dann freut man sich total, wie man das zusammen geschafft hat, dass die angesprungen ist.: Also das sind einfach wir Menschen, die so das haben. Ja, 'ne Vermenschlichung von Technik. Ne, zum Beispiel Herbie, dieser Film. Also, ne, das gibt es immer wieder. Und ja, also alles Mögliche. Und, ähm, nun gibt es einfach 'ne Technologie, das noch bewusst verstärkt, ne, die sich bewusst menschlich, äh, präsentiert, die, die ja bewusst noch versucht, das, wie wir eh schon ticken, eigentlich anzutriggern. Ähm, das ist so 'n ganz wichtiger Mechanismus, den man einfach verstehen muss. Und das Zweite, das ist so der zweite Mechanismus, den man auch an dieser Stelle, glaub ich, immer noch mal nennen oder verstehen muss. Das ist so diese narrative Transportation, also dieses, wir lesen ja auch Bücher, wir gucken Filme, wir wissen, das ist nicht echt und wir sitzen da trotzdem und heulen und lachen und beißen vor Aufregung ins Sofakissen und so weiter.
Weil wir für 'n Moment eigentlich ja die Realität, ne, verlassen- Wir sind drin. und dort mitfiebern, als wäre es echt. Wir sind drin. Und hier ist es jetzt so, dass dieses Buch oder dieser Film ja noch zu uns spricht. Der: sagt ja quasi noch: „Hey, komm rein, ich brauch genau dich." Und ich kann nicht nur mit dem gegenseitig sprechen, sondern ich kann eigentlich noch in Form einer immersiven Geschichte, die ja plötzlich mitgestalten. Ich werde Teil davon. Ich habe da also so eine parasoziale Beziehung eigentlich, aber mit so einer dem gefühlten Gegenseitigkeit. Und das sind einfach Mechanismen, die haben wir Menschen ja in uns eh. Und ich glaube, das ist so wichtig zu verstehen, dass wenn man dann auf so etwas stößt, natürlich der eine mehr, der andere weniger und vielleicht einfach in bestimmten Lebensphasen noch mal mehr, dass das einfach etwas ist, was, was mit mir machen kann oder macht automatisch, für das ich mich nicht schämen muss, aber was ich zumindest verstehen muss und im Blick behalten muss.
Dr. Stefan Beim Lesen so, dass ich dachte, ab 'nem bestimmten Zeitpunkt „Oha, jetzt wird's gefährlich. Oha, jetzt wird's immer gefährlicher." Ähm, weil am Anfang hat sich Lea noch gesagt „Ja, okay, das stimmt: ja alles nicht so und ach, das ist ja nur 'ne Maschine und 'n Algorithmus und so." Aber, ähm, diese Urteilsfähigkeit, die, die verschwindet sozusagen mit jedem Tag neu und mit jedem, mit jedem, mit jeder Chat-Unterhaltung immer mehr, ähm, bis am Ende dann sie eigentlich so weit ist, dass sie die, die reale Welt vernachlässigt und, äh, d-dann diese Beziehung ausleben will. Ähm, und, äh, du, du machst ja dann einen, einen, sozusagen ein, ein dramaturgisch machst du einen Kniff, ähm, indem du es schaffst sozusagen, äh, da-dass da 'ne Unterbrechung ist. Wir wollen hier nicht spoilern, aber, ähm, da-da-dass sozusagen sie sich wirklich auseinandersetzen muss und wahrscheinlich ist das die einzige Möglichkeit, die du da gewählt hast, dass wirklich 'ne Auseinandersetzung möglich ist durch 'ne Unterbrechung quasi.
Ähm, also es wird beim Lesen wird es schon immer beklemmender, ähm, wie das, wie das beschrieben wird und: gleichzeitig zeigst du dann im In der zweiten Teil kann man nicht sagen, aber, ähm, The Day After könnte man sagen. Also zeigst du ja auch, äh, das ist, die ist gar nicht allein. Es gibt da ähnliche Sachen, ähnliche Jugendliche mit ähnlichen Dingen und jeder hat da so seine Geschichte. Ähm, wo man, äh, ja, was diese Peinlichkeit, die du beschrieben hast am Anfang: Oh Gott, die denken doch, ich hab einen an der Klatsche, wenn ich sag: „Ja, ich bin in Chatbot verliebt und der heißt Creepy und der ist total süß und ich treff mich mit dem und, ähm, euch lass ich sausen." So, und diese Erkenntnis erst mal, ähm, das ist schon sehr gut gemacht, find ich. Anne Möllers: Ähm, vielleicht noch mal vorhin so zu dieser Frage, ob ich sozusagen ganz viel ... Das war ja so die Frage, ne: Treff ich auf Erfahrungen da ganz viel. Ich hab das tatsächlich gar nicht so viel. Ich frage viel. Das ist 'n schwieriges Thema, das ist 'n schwieriges Alter, ne. Also bei Jugendlichen hinzugehen und sagen: „Na, bist in Chatbot verliebt?"
Und die sagen „Ja, soll ich mal ganz: ausführlich erzählen?" So läuft das ja einfach in diesem Alter nicht. Ähm, aber also ich hab an verschiedenen Stellen jetzt, wenn ich in verschiedenen, jetzt nicht meinen, aber anderen Veranstaltungen war und mal gefragt wurde da im Rahmen: Könn-- Ist das okay, mit 'nem Chatbot befreundet zu sein? Schon auch viele sagen: „Ja, ist es", ne. Oder wenn ich mir so diese Studien angucke, wo die sagen: „Ja, das ist schon in Ordnung." Also ich glaube, ich bin mal gespannt, wenn ich jetzt auch noch mal Lesungen mach, ich werde das schon auch viel dort mal versuchen, einfach zu fragen. Das interessiert mich tatsächlich. Ich glaube, das ändert sich auch grade noch mal doller. Also es wird mehr einfach, ne. Wir haben hier 'ne ganz, ganz neue Technologie, die ist Anfang 23 gekommen. Wir sind Mitte 26. Am Anfang hatte die Hälfte die ChatGPT. Also wir sind so ganz neu bei irgendwie etwas. Das ist was, was jetzt grade sich entwickelt und wächst.
Ähm, und ich bin mal gespannt, wie viele das haben, wie viele es zugeben, wie viele es vielleicht haben, ohne es zuzugeben. Und es muss ja auch nicht immer eine: Liebe sein. Es muss ja auch nicht immer eine große Freundschaft sein, aber es ist ein Ratgeber, es ist eine persönliche Beziehung. Es ist jemand, den sa-- den frage ich: „Soll ich mit meinem Freund Schluss machen, ne? Soll ich meine Eltern anlügen? Ich fühl mich zu dick. Soll ich das an Fitness machen?" Es ist ja eigentlich geht es einfach immer um dieses Gefühl, ich spreche dort mit jemandem Echten. Ich spreche dort mit einem echten Gegenüber, einem Ratgeber, dem ich vertrauen kann. Ähm, jemand, der mich wirklich sieht, jemand, der mich wirklich versteht, ähm, der sich um mich sorgt und, äh, der mir- Und vor allem von dem ich Dr. Stefan: denke, der weiß ja alles. Also der weiß ja mehr als meine Eltern Anne Möllers: Genau und es wird schon in allen Studien, das, da sind sich alle sehr, sehr einig, die jetzt eben so sind und ja auch sehr, das sind sehr zuverlässige Studien einfach, dass fünfzig, sechzig Prozent einfach der Meinung sind, diese Antworten sind gut. Äh, dem Rat kann ich vertrauen, die Antwort ist richtig.
Gibt auch Leute, die sagen "Da vertraue ich blind",: ne. Also, ähm, und da ist einfach jemand, der mich besser versteht. Genau. Und das ist eben immer das, worum es geht. Also wie gesagt, es muss nicht immer die Liebe sein, sondern es geht immer um Gespräche, die sich nach etwas Echtem anfühlen für mich, einem echten Gegenüber und so ein bisschen Verwirrung von Realität und Fiktion. Mr. Ralf: Aber ist dann nicht Anne Möllers: der- Und das gibt es schon. Mr. Ralf: Aber ist dann nicht vielleicht auch der Satz richtig: Die Dosis macht das Gift? Also wir kriegen's ja nicht mehr weg. Also, äh-- Anne Möllers: Mhm, genau. Mr. Ralf: Wir können ja jetzt nicht so tun, als wäre das Leben besser, wenn wir, wenn wir KI nicht mehr hätten. Und wahrscheinlich kommt man auch nicht um hin zu sagen: "Na ja, ihr nutzt es ja eh, wie ihr's nutzt", sondern ich glaube, der Kipppunkt, den, den ja auch dieses Buch beschreibt, der ist ja der, wenn ich mich aus der realen Welt verabschiede, weil die, weil die- Anne Möllers: Genau.
Mr. Ralf Weil die digitale Welt so viel widerspruchsfreier ist. Mit der muss ich mich nicht so arg auseinandersetzen, weil sie mir, mir ja auf meine persönlichen: Bedürfnisse antwortet oder meinen Bedürfnissen entgegenkommt. Dr. Stefan: Die verbietet mir auch nix. Mr. Ralf: Ja, die sagt auch nicht, ich muss jetzt mit zur Oma. Nee, sagt sie nicht, sondern die bietet mir ja andere Dinge an oder. Und, ähm, ich glaube ja, das ist ja der, der große Punkt, dass wir im Augenblick ja noch gar nicht-- Wir wissen ja noch gar nichts über die Dosis. Und, ähm, das war ja das, was du ganz am Anfang ja auch gesagt hast. Es ist im Grunde so ein Reinwerfen in die Menge und sagt: "Probiert's einfach mal aus." Anne Möllers: Mhm. Mr. Ralf: Äh, wenn ihr ganz viel probiert, dann merken wir auch, bei wem's zu viel wird. Die zehn haben dann halt- Genau. Die zehn Prozent haben dann halt Pech. Aber dann wissen wir wenigstens, bei anderen funktioniert's ganz gut. Anne Möllers: Ja, also ich finde, also mir geht's überhaupt nicht darum zu sagen: "KI ist böse, KI ist schlecht, ihr dürft KI nicht nutzen." Jetzt unabhängig von meiner eigenen Meinung oder auch nicht.
Ich finde, das bringt ja mit Kindern und Jugendlichen eh nichts. Also das ist da mit ihrer Faszination und das kann auch Chancen bieten, ne? Also es gibt ja durchaus auch Leute, die dort, äh, einen geduldigen Nachhilfelehrer finden, jemand, mit dem sie vielleicht schwierige: Gespräche vorbereiten können und so weiter. Ähm, das kann ja auch einfach nur Spaß sein. Nicht jede Nutzung von KI muss schädlich sein, muss schlecht sein und schon gar nicht dramatisch enden. Also das ist wirklich nicht das, worum es geht in dem Buch, sondern, ähm, genau. Also es ist zum einen wie bei allem bei den digitalen Medien oder bei allem wahrscheinlich im Leben 'ne Frage von der richtigen Menge, ne? Wie viel mache ich das und mache ich noch was anderes? Konsumiere ich noch aktiv selber oder werde ich grad eigentlich schon konsumiert? Also, ne, wo ist der Stopp? Ähm, und mir geht's wirklich in dem Buch eher erst mal darum zu sagen: Okay, zum einen 'n Blick nach innen. Wie fühl ich mich, wenn ich das nutze?
Stärkt mich das? Hilft mir das? Macht es einfach Spaß? Oder wo hört ehrlich gesagt der Spaß auf? Wo wird das vielleicht gefährlich? Wo fängt das an, manipulativ zu werden? Wo fange ich vielleicht auch an, das reale Leben zu vernachlässigen, mich wo reinziehen zu lassen? Da ist ja eine wahnsinnige Möglichkeit der: Manipulation, allein auch kaufkraftmäßig. Da muss man mal sich noch Gedanken drüber machen, was da so, äh, kommen könnte. Ähm, wo ist es aber vielleicht auch was, was mich letztendlich dauerhaft von Menschen entfernen wird, weil ich dort eine Idealvorstellung aufbaue, die ich so nicht umgesetzt bekomme. Also einfach in sich reinzufühlen und das, was ich fühle, da auch ernst zu nehmen und auf sich aufzupassen. Und das Zweite finde ich, worum's mir einfach geht, ist aufzuklären. Also zum einen sich noch mal klarzumachen, wie funktionieren Chatbots, ne? Die funktionieren eben Aufgrund von Wahrscheinlichkeiten. Die verstehen eigentlich nicht, was ich ihnen sage. Die verstehen auch eigentlich nicht, was sie selber sagen. Das hat keine Bedeutung so richtig für sie, ne. Dann aber auch: Wie ticken Menschen? Genau was ich gerade erzählt hab. Also wir, wir springen nun mal auf Technik an. Die Kuscheltiere haben Namen, die Roboter haben Namen und so weiter. Das ist erst mal was, was ist und ich tauch da ein und ich muss aber auch aufpassen, dass ich wieder auftauche.
Und dann einfach find ich die allerwichtigste Aussage Wo sind: einfach die Grenzen und ab welchem Zeitpunkt wird es Zeit, jetzt mal einen echten Menschen ins Boot zu holen? Also wenn es wirklich große Themen sind, wenn es schwierige Themen sind, wenn ich wirklich vor ganz großen Problemen stehe, dann ist der Chatbot nie ein alleiniger richtiger Ansprechpartner. Dann wird es einfach immer Zeit, jemanden mit ins Boot zu holen. Und ich glaube, das ist einfach wichtig zu verstehen: Wo kann ich es nutzen? Bis wo kann ich es nutzen? Und wo ist aber auch eine Grenze, ähm, die ich wahrnehmen muss und um auf mich aufzupassen. Dr. Stefan: Mhm. Jetzt hast du ganz viel Material gesammelt, ähm, mit dem Chatbot. Du hast sicher ganz viel Beobachtungen mit, äh, sag ich mal, du hast-- Deine älteste Tochter ist so vierzehn, fünfzehn und der Freundeskreis und so weiter. Also dann, dann hast du auch so ungefähr da Beobachtungsmaterial. Ähm, und jetzt ist das aber auch dein allererstes Buch. Ähm, wie war denn da die Zusammenarbeit mit dem Lektorat bei, bei Fischer Sauerländer?
Weil wahrscheinlich kann ich mir vorstellen, dann, dann so Frag-- hat,: hat man Fragen, wenn's das erste Buch ist, tauscht sich aus und, äh, könnte ich mir vorstellen. Ich weiß es nicht. Anne Möllers: Also erst mal war das toll und das war rasant. Das war der Wahnsinn. Dr. Stefan: Okay, Anne Möllers: rasant. Na ja, ich hab die Recherche im Juni, Juli gemacht. Dr. Stefan: Mhm. Anne Möllers: Letztes Jahr und hab angefangen, im August zu schreiben. Ähm, dementsprechend war es auch rasant. Ja. Ähm, jetzt muss ich aber sagen, es, äh, ist nicht mein erstes Buch, sondern es ist das erste Buch, was, äh, was quasi, äh, die Öffentlichkeit sieht. Ah, okay. Ähm, ich habe im Jahr davor schon ein Kinderbuch tatsächlich geschrieben. Ähm, genau, was, mal gucken, was mit dem so passiert und es wird auch ein Bilderbuch jetzt, ist in Planung gerade. Beziehungsweise mal gucken, ob das dann demnächst jetzt auch wahrscheinlich kommt. Ähm, genau. Und, äh, ich war erst mal so, dass ich für dieses Thema, äh, wahnsinnig gebrannt, ähm, habe, weil ich das so sehe und hatte unglaublich Glück, einfach, äh, auf Fischer Sauerländer zu treffen, auf eine ganz tolle Lektorin, die einfach auch für dieses Thema gebrannt hat.
Also wir waren -- wir: brannten beide- Dann dürfen wir auch den Namen sagen, wenn die so toll ist. Darfst du auch den Namen sagen. Ja, das ist Katja Masuri. Und das war wirklich, also sie hat, die hat gebrannt. Genau. Und wir, wir waren in-- Feuer und Flamme waren wir beide. Okay. Und, ähm, ich hatte sehr, sehr schnell, ich hab wirklich das Buch tatsächlich, muss man sagen, die Rohfassung habe ich in... Die ganz rohe Rohfassung habe ich in drei Wochen geschrieben. Dr. Stefan: Ui. Anne Möllers: Mit drei Kindern im Regen an der Ostsee. Mein Rücken war kaputt, aber die Rohfassung stand. Ich saß immer in meinem dunklen Kämmerlein. Mein Mann war fertig mit den Nerven nach dem Buch, aber das Buch auch. Dr. Stefan: Und, und sagte dann irgendwie: "Du hast auch noch- Drei Kinder. Anne Möllers: Kenne ich nicht, habe ich gesagt. Genau. Nein, aber Dr. Stefan: Ich brauche Mr. Ralf: jetzt Urlaub. Dr. Stefan: Ich brauche jetzt Urlaub. Du hast Mr. Ralf: doch gerade drei Dr. Stefan: Wochen. Anne Möllers: Also, so das war, war wirklich eine Rohfassung, die nicht vorzeigbar war eigentlich. Und dann ging es wirklich sehr, sehr, sehr schnell. Wie gesagt, Katja, äh, war auch Feuer und Flamme und es war aber natürlich ein anderer-- es ist wirklich ein ganz, ganz neues Thema einfach, ge...,
äh, was es so gar nicht gab. Und es gab natürlich auch erst mal viel: Aufklärungsbedarf, ne. Was sind denn eigentlich Chatbots und was sind denn KI-Begleiter und wo ist denn der Unterschied und wie kann denn das sein? Und dann ging es irgendwie ganz schnell. Ja, wir haben, äh, viel, viel, viel gearbeitet mit ganz, ganz viel Austausch und ganz engem Kontakt und, äh, langen Nächten und, äh, und ti-- dunklen Augenringen und viel Lachen und ein bisschen Weinen und ich glaube wahrscheinlich alles, was zu so einem Buchprozess dann eben dazugehört, nur das eben im, äh, Schnelldurchlauf. Und ich hatte natürlich ein wahnsinniges Glück und ein ganz, ganz tolles Team bei Fischer Sauerländer. Da haben ja alle Gas gegeben ohne Ende, ne. Das ist ja in einem Eiltempo gewesen. Da gehört ja viel mehr dazu, so ein Buch zu schreiben noch. Da arbeiten ja ganz viele tolle Leute im Hintergrund, äh, mit allen Dingen, die sonst gar nicht funktioniert hätten.
Und, ähm, ja, also dadurch, dass ich das erste Buch schon geschrieben hatte, hatte ich trotzdem noch viele Fragen. Aber Katja ist natürlich auch ein Profi und, äh, hat mich da ganz sicher durch alles: durchgeführt und wir haben einfach, ja, einfach glaube ich, gut als Team auch total gut funktioniert. Ich mit diesem Wissen sozusagen, was, was, was so den Inhalt angeht und vielleicht auch mit dem, was ich sagen möchte oder nicht sagen möchte und Katja natürlich all mit dem Profiwissen, was dazugehört, ein tolles Buch draus zu machen. Mr. Ralf: Ja, dann bleibt es ja eigentlich nur noch zu hoffen, dass das Buch jetzt, äh, seinen Weg machen wird und du hast ja auch schon davon gesprochen, dass du auch Lesungen dazu machen wirst, also direkt den Kontakt zur Zielgruppe haben wirst, die natürlich wahrscheinlich nicht nur zu dem Buch was zu sagen haben, sondern umgekehrt auch was zu ihrem eigenen Umgang mit KI oder zu ihren Erfahrungen oder vielleicht auch zu den Erfahrungen von anderen.
Darüber lässt sich immer leichter reden, wenn man jemand anderen hat, über den man dann sprechen kann. Was man jetzt selber gar nicht macht oder tut. Und, äh, ja, das ist jetzt quasi sozusagen der, der Moment, wo die Öffentlichkeit das in die Hände bekommt und diesem aufregenden Prozess jetzt den oder den Prozess jetzt zu einem Erfolg führen: kann, indem möglichst viele dieses Buch lesen. Dr. Stefan: Genau, Mr. Ralf: den wünsche ich dir auf jeden Fall. Dr. Stefan: Und danke, dass du dir die Zeit genommen hast, Anne, mit uns, ähm, über diese spannenden Hintergründe von Digital Crush zu sprechen. Mr. Ralf: Ja, Anne Möllers: vielen Dank. Vielen Dank an euch. Vielen Dank an euch.