Kinderbuchpraxis

Kinderbuchpraxis

Kinderbuch und Jugendbuch - wir behandeln alle Themen.

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00:00:00: Intro: Die Kinderbuchpraxis. Hier behandeln Dr. Stefan und Mr. Ralf Themen rund ums Kinder- und Jugendbuch. Sie sprechen über aktuelle Entwicklungen auf dem Buchmarkt oder über Bücher. Und zwar jeden zweiten Freitag. Mr. Ralf, das ist Ralf Schweikart, Dr. Stefan, das ist Dr. Stefan Hauck. Eat, read, sleep. Diesen Literaturpodcast kennt doch wirklich fast jeder.

00:00:26: Intro: Katharina Mahrenholtz ist einer der Hosts und spricht mit Dr. Stefan und Mr. Ralf übers Podcasten, Lesekreise, Indie-Buchläden und über Jugendbücher. Und damit Tür auf zur Kinderbuchpraxis.

00:00:44: Dr. Stefan: Herzlich willkommen, Katharina Mahrenholtz. Ähm, wenn man so will, ja eigentlich eine Kollegin oder, ja, ein Vorbild fast schon, weil sie ist beim NDR und macht dort seit 2020 als eine von mittlerweile zwei Hosts den Podcast „Eat, Read, Sleep". Ähm, darüber werden wir natürlich gleich auch reden, was das dann bedeutet, weil essen, lesen, schlafen, das klingt für manche ja so nach 'nem, nach 'ner kurzen Abendroutine, aber das ist damit ja gar nicht gemeint.

00:01:12: Dr. Stefan: Aber vielleicht kannst du, Katharina, uns kurz erklären, weil vielleicht kennt das nicht jeder, ähm, sollte jeder kennen, aber vielleicht kennt's trotzdem nicht jeder, ähm, was es mit dieser Kombination dieser drei, äh, Wörter auf sich hat. Ja, wir hatten uns überlegt, dass wir gerne über Bücher reden wollen, nicht so super fühlton-esk, sondern wie man mit Freunden, Freundinnen über Bücher redet, wenn man sich vielleicht mal beim Kaffee trifft oder in einem Restaurant oder so.

00:01:39: Katharina Mahrenholtz: Also so 'ne normale Situation, in der man über Bücher ins Gespräch kommt. Und deswegen haben wir gedacht, wir fangen mit 'nem Essen an, um nicht gleich den Menschen den-- die erste Rezension um die Ohren zu hauen, und zwar mit einem Essen, was mit Büchern zu tun hat. Also entweder mit einem berühmten Autor oder mit irgendeinem Autor.

00:01:59: Katharina Mahrenholtz: Also wir hatten zum Beispiel den Anke-Kuchen. Das ist ein Kuchen der Familie Tolstoi, den die zu jedem Familienfest essen. Das ist, äh, natürlich schön, wenn man so was findet. Wir hatten natürlich auch die Madeleines aus Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit." Das sind halt so Klassiker.

00:02:15: Katharina Mahrenholtz: Aber wenn man ein bisschen drauf achtet, dann kommt tatsächlich öfter mal Essen im Buch vor und da geht es nicht darum, dass man sagt: „Okay, äh, der Protagonist hat auf Seite dreiundzwanzig 'n Salat gegessen. Machen wir mal den Salat." Also es muss schon auch 'n Essen sein, was in irgendeiner Weise auch was auslöst in dem Buch, sodass man dieses, diese Situation irgendwie noch 'n bisschen nachempfinden kann, wenn man das dann halt selber isst.

00:02:39: Mr. Ralf: Würde bei Hemingway auch was zu trinken reichen? Hatten wir auch schon, ja. Bei Hemingway hatten-- Wir hatten tatsächlich bei Hemingway mal eine unserer ersten Folgen. Das war, glaub ich, sogar die erste Folge. Da hatten wir den Kartoffelsalat, den sich Hemingway von seinem ersten Honorar für eine Kurzgeschichte in Paris gekauft hat.

00:02:57: Katharina Mahrenholtz: Das steht so in, in seinen Erinnerungen. Ja, ganz toll. Genau, und ich hab ja früher immer sehr viel Enid Blyton gelesen und dann gibt, gibt's ja die tollen Picknicks, Mitternachtspicknicks oder die fünf Freunde haben ja auch immer die besten Sachen dabei und da hatt ich mir schon immer gedacht: „Ach, ich würd jetzt auch gerne, jetzt in diesem Moment, wo ich's lese, würd ich das gerne essen."

00:03:16: Katharina Mahrenholtz: Und das, damit hat es auch 'n bisschen zu tun. Mhm. Und dann plaudert ihr über Bücher. Genau, das ist ja dann meistens ist ja mit dem Essen schon ein erster Buchtipp verbunden. Und dann haben wir verschiedene Rubriken bei uns im Podcast. Die erste ist die Bestseller-Challenge. Da losen wir immer am Ende jeder Folge von der Bestseller-Liste ein Buch aus, was wir beide lesen müssen und darüber dann, äh, in der folgen, in der darauf folgenden Folge dann reden.

00:03:44: Katharina Mahrenholtz: Und das sind natürlich oft Bücher, die man normalerweise nicht lesen würde. Manchmal ist das Fantasy oder vielleicht auch 'n Krimi, den man normalerweise vielleicht gar nicht lesen würde. Oder manchmal ist das auch so High-End-Literatur, je nachdem, was so auf der Bestseller-Liste landet. Also da entscheidet der Zufall.

00:04:01: Katharina Mahrenholtz: Da entscheidet der Zufall, ja genau. Und da gibt's auch kein Zurück. Also kann man nicht sagen, nee, Fantasy mag ich nicht. Das lese ich nicht, das gilt nicht. Okay. Muss man dann, muss man dann lesen. Genau. Und dann bringen wir jeder ein Buch mit, was wir so in der letzten Zeit gelesen haben und besonders toll fanden.

00:04:19: Katharina Mahrenholtz: Und dann machen wir man, machen wir eigentlich, meistens haben wir noch 'n Gast so in der Mitte aus der, aus der Buchwelt, also Lektoren, äh, Verleger, Autoren, Autorinnen natürlich auch, aber auch mal die Leute, die dafür zuständig sind, dass es Lesebändchen im Buch gibt. Also wir versuchen da so 'n bisschen auch hinter die Kulissen der Buchbranche zu gucken mit den Gesprächen.

00:04:40: Katharina Mahrenholtz: Und dann haben wir als letzte Rubrik, vorletzte, unseren All Time Favorite. Da schicken uns Hörerinnen und Hörer ihre Lieblingsbücher und die lesen wir dann entweder noch mal, wenn wir sie schon kennen oder halt neuerdings, äh, und stellen die dann vor, zusammen mit deren Geschichte sozusagen. Und am Ende haben wir immer noch 'n Quiz.

00:05:01: Dr. Stefan: Da fehlt jetzt noch der Sleep Moment.

00:05:04: Katharina Mahrenholtz: Ja, der Sleep Moment. Also der Name kommt ja von diesen T-Shirts, die man so im Urlaub kaufen kann. Da steht dann drauf: "Eat, surf, sleep, repeat" oder "Eat, swim, sleep, repeat." Sozusagen Essen und Schlafen als Sachen, die man machen muss, also Basisdinger und in der Mitte steht die Leidenschaft.

00:05:27: Katharina Mahrenholtz: Und bei uns ist es halt dann das Lesen in der Mitte. Okay. Und dann, wenn ihr auch manchmal Sachen lesen müsst, wie ist denn da so die Quote von: Da habe ich jetzt was Tolles entdeckt, was ich ohne diese Challenge oder ohne die Einsendung der Hörerinnen und Hörer gar nicht wieder gelesen oder gar nicht gelesen hätte.

00:05:44: Katharina Mahrenholtz: Oder aber: Oh Gott, das war die Vorhölle. Ja. Also bei den Sachen, die von den Hörern kommen, ist es meistens die Quote sehr gut und wir lesen ja auch immer das Buch, was, also was, also ich lese immer das, was, was mein Co-Host Daniel mitbringt. Das lese ich eigentlich immer auch und umgekehrt und da ist es auch die Quote relativ gut.

00:06:05: Katharina Mahrenholtz: Das sind dann tatsächlich oft auch Bücher, die ich eigentlich nicht gelesen hätte, weil es ja so viele gibt und jeder entdeckt für sich irgendwie andere. Und dass man das dann so austauscht, das ist schon toll. Das ist für mich total bereichernd. Glaube für Daniel bestimmt auch. Und bei den Bestsellern ist, ja, das sehr durchwachsen, sage ich mal.

00:06:22: Katharina Mahrenholtz: Also da ist vielleicht die Quote sogar eher ins, ins Negative. Aber ihr streitet dann auch, äh, auch darüber. Man muss es ja auch nicht gut finden, man kann es ja auch mal zerreißen. Ja, also wir, ja, manchmal verreißen wir es einhellig, ähm, steigern uns auch gerne mal in so einen kleinen Verriss rein dann.

00:06:40: Katharina Mahrenholtz: Zum Beispiel in der Folge, die, die jetzt am kommenden Freitag kommt. Verrate ich nicht, welcher Bestseller das ist. Oder bei den drei Rossmann-Romanen mit dem Oktopus, da, die haben wir auch sehr zerrissen. Und manchmal streiten wir auch, wenn es einer gut findet, andere nicht. Also was heißt streiten?

00:06:57: Katharina Mahrenholtz: Diskutieren. Das können wir auch. Also da, da haben wir auch kein Problem. Ja, genau. Das ist ja für den, für die Hörer auch immer am witzigsten meistens. Es tauchen ja ab und zu auch, also jetzt nicht in jeder Folge, aber doch in einigen Folgen auch Kinder- und Jugendbücher auf. Sei es zum Thema Urlaub. Da muss man natürlich für die ganze Familie auch ein bisschen Urlaubslektüre empfehlen.

00:07:19: Mr. Ralf: Wie kommt die denn in eure, eure Sendung rein?

00:07:23: Katharina Mahrenholtz: Die, die kommt meistens durch mich rein. Ich bin ja, ich hab ja lange Zeit auch fürs Kinderradio bei uns im NDR gearbeitet und hab da auch Büch-- Buchempfehlungen gemacht für Kinder. Und dann auch machen wir beim NDR, das gönnen wir uns noch, wir machen einmal in der Woche im Radio auf NDR Kultur und NDR Info einen Kinder- und Jugendbuchtipp, also Kinder- oder Jugendbuchtipp.

00:07:46: Katharina Mahrenholtz: Und, äh, das, da, also das sind halt richtige Beiträge, die mache ich auch oft. Macht noch 'ne Kollegin von mir, mit der mach ich das zusammen. Deshalb lese ich immer noch sehr viele Kinder- und Jugendbücher. Und wenn mir-- Also es, es gibt ja viele gute Kinder- und Jugendbücher, aber nicht alle, würde ich sagen, kann man auch lesen, wenn man keine Kinder hat oder kein Kind ist.

00:08:09: Katharina Mahrenholtz: Also dass man Erwachsene, die eigentlich sonst gar keinen Zugang zu dieser Art von Literatur haben, dazu bringt, ein Kinder- oder Jugendbuch zu lesen, ist schon 'n bisschen schwierig. Aber manchmal sind welche dabei, bei denen ich sage: Das ist eigentlich egal, wer das liest. Das ist so ein gutes Buch, das könnt ihr alle lesen.

00:08:27: Katharina Mahrenholtz: Und die bring ich dann auch mit in unseren Podcast. All Age sozusagen. Ja, das ist ja nicht direkt All Age. Ähm, tja, was ist schon All Age? Ich mein, Harry Potter ist wahrscheinlich 'n sehr gutes Beispiel für All Age, aber das ist, sind oft auch Bücher, die ausgewiesen sind für ab zehn. Zum Beispiel, ähm, „Das Gras unter meinen Füßen" von Kimberly Brubaker.

00:08:52: Katharina Mahrenholtz: Ja. Mhm, mhm. Ja. Äh, noch irgendwas heißt sie, hab ich jetzt ganz, gar nicht parat. Also auf jeden Fall, das ist ab elf und das ist ein, das ist ein ganz toller, zu Herz gehender Roman über ein Mädchen im Zweiten Weltkrieg in England. Und das ist, ja, das ist ab elf. Das können absolut sehr gut Elfjährige lesen und die Protagonistin ist halt etwa elf.

00:09:12: Katharina Mahrenholtz: Ähm, aber das könnte auch genauso gut 'n Erwachsenen-- Denn ich, was ist denn schon 'n Erwachsenenbuch? Also es könnte auch in der Erwachsenenabteilung stehen, finde ich. Oder Bücher von Anna Wolz zum Beispiel.

00:09:24: Mr. Ralf: Mhm. Mhm. Stimmt. Na ja, es ist ja immer so 'ne, also man vergleicht ja immer Jugendbücher dann auch eher mit hochliterarischen Werken, um sie dann 'ne Stufe drunterzusetzen und zu sagen, es ist ja so Zielgruppenliteratur.

00:09:36: Mr. Ralf: Aber, äh, viele Bücher, wenn ihr die ja auch von den Bestenlisten lest, sind ja einfach nur Bücher.

00:09:43: Katharina Mahrenholtz: Also ohne dass sie- Ja, total. -diesen mega großen, äh, Anspruch haben müssen. Und wir lesen ja jetzt auch nicht, wir quälen uns ja jetzt auch nicht, äh, permanent durch anspruchsvollste Literatur, sondern wir wollen auch einfach mal schöne Geschichten lesen.

00:09:54: Katharina Mahrenholtz: Lesestoffe. Und spätestens da ist- Ja, und es- -gibt's einfach wahnsinnig gute Geschichten. Es gibt auch wahnsinnig ansp..., ja, es gibt auch wahnsinnig anspruchsvolle Jugendbücher. Auch das. Sarah Jäger zum Beispiel schreibt sehr anspruchsvolle- Gerne. -Bücher, die sind mir schon manchmal 'n bisschen drüber. Aber wenn man gerne ins, in High-End-Bereich gehen will, dann kann man, also dann findet man da auch auf jeden Fall auch was.

00:10:15: Katharina Mahrenholtz: Neulich hab ich wieder, hab ich wieder gelesen, ein, ein Autor, der bei uns zu Gast war, Jochen Maris, hat geschrieben „Tage am Fluss." Das ist so 'n, so 'n Sommerroman, auch 'n Bestseller. Und in seiner Vita stand sein, das ist sein erster Roman. Dann hab ich aber auch herausgefunden, dass der schon Jugendbücher geschrieben hat, Kinder- und Jugendbücher.

00:10:35: Katharina Mahrenholtz: Wo ich dann denken so: „Ja, das sind keine Romane oder was?" Also das sind ja genauso Romane. Also das Roman ist was Gutes und das andere sind dann Bücher oder wie wird da unterschieden? Das find ich zum Beispiel total, total unan-unangemessen. Ähm, oder auch das Wort Literatur fällt nicht so oft im Zusammenhang mit Kinder- und Jugendbüchern.

00:10:55: Dr. Stefan: Ich glaub, jetzt kommt von Joachim Meyerhoff kommt, äh, jetzt im Oktober ein Kinderbuch. Kinderroman. Kinderroman.

00:11:01: Katharina Mahrenholtz: Ja, ja. Ja. Ja, das, ähm, das muss man dann noch mal sehen, ob das dann gut ist. Ja, ja klar, man muss es immer prüfen. Bei den Romanen und bei Autoren, die ja manchmal, ähm Nicht zu ihrer Kinderliteratur, zu ihrem kinderliterarischen Schaffen stehen.

00:11:17: Mr. Ralf: Was dann bei Jochen Maris, der ist nicht, der hat aber- Ja, ja, genau, genau. Der unterscheidet halt zwischen Literatur und Kinderliteratur.

00:11:25: Katharina Mahrenholtz: Nee, dann, nee, ich glaube gar nicht er, sondern der Verlag, der den Klappentext geschrieben hat oder, oder, oder Wikipedia oder ich weiß gar nicht, wo ich es gelesen habe.

00:11:32: Katharina Mahrenholtz: Also er glaube ich nicht. Mhm. Ja. Aber das ist, denn manchmal sind das ja Autoren und Autorinnen zweiter Klasse so, die nur in Häkchen Kinderbücher schreiben, was ja, also das finde ich furchtbar. Rege ich mich regelmäßig drüber auf. Das merkt man spätestens bei den Vorschüssen, die es für einen Roman gibt.

00:11:49: Katharina Mahrenholtz: Genau. Oder bei Lesungen. Genau. Ja, den Einzigen, den wir mal an den Ohren langziehen, ist Heinz Strunk, der das ja, der jetzt eher auch zu denen gehört, die meinen, Kinderliteratur schreibt man mal eben so oder schüttelt sie aus dem Ärmel. Dafür hat er aber auch ordentlich Kritik einstecken müssen, weil so einfach ist es halt nicht.

00:12:07: Mr. Ralf: Und es ist Literatur,

00:12:08: Katharina Mahrenholtz: was uns- Ja, es gibt ja einige, die das glauben. Ja. Ja, und auch Prominente, die dann auch denken: „Ach so, ja, so ein Kinderbuch kann ich noch mal eben schreiben." Auf der Bahnfahrt, das geht schon. Genau. Aber wir würden auch gerne noch mal zu den Lesekreisen kommen, weil ihr geht ja sozusagen damit auch raus.

00:12:25: Dr. Stefan: Ihr vernetzt und das ist ja, finde ich, in, in diesen, äh, schlechten Pisa-Zeiten ist das ja auch etwas Wunderbares, dass ihr Lesen zu den Leuten bringt, also den Akt des Lesens an sich, Beschäftigung mit Büchern, Beschäftigung mit Lesen. Ähm, wie, wie hat das-- Es hat offenbar gut funktioniert, aber wahrscheinlich diejenige, ähm, die am besten darüber 'ne Bilanz ziehen kann, bist du, und so sagen kann, wie, wie war das jetzt, äh, gewesen mit diesen vielen Lesekreisen, mit den Buchhandlungen, mit diesen, mit diesem Netzwerk arbeiten?

00:12:58: Katharina Mahrenholtz: Ja, also wir haben schon relativ am Anfang gedacht, wir sind ja mit unserem Podcast gestartet wegen während Corona und ich hab immer schon gedacht: „Ach so, wie wäre das eigentlich schön, wenn sich durch den Podcast auch Menschen in echt treffen könnten, um über Bücher zu reden, so wie wir es machen." Und das war während Corona gar nicht so richtig möglich.

00:13:18: Katharina Mahrenholtz: Dann hat sich irgendwann relativ schnell so 'n, so 'n Instagram-Fanclub gegründet. So, äh, eine Hörerin, die hatte Lust, das zu machen und, äh, dann hat sie, sie hatte so 'n Instagram-Account und hat auch so Leserunden immer initiiert. Und als dann endlich Corona vorbei war, da hab ich dann gesagt: „Hier, so, jetzt können wir doch mal aufrufen, dass sich Menschen, die sich für Literatur interessieren, über Bücher reden müssen in verschiedenen Städten, dass sie sich einfach bei uns melden und dann verknüpfen wir die."

00:13:47: Katharina Mahrenholtz: Und das ist wirklich 'ne händische Aktion gewesen. Die haben uns dann gemailt und dann hab ich das so sortiert und dann haben wir die einander, ähm, haben wir die wirklich so händisch verknüpft und gesagt: „Hier, da ist noch Interessent in sowieso, in Stadt sowieso. Meldet, connectet euch doch mal." Haben wir so 'ne Karte gemacht mit so Kontaktadressen für verschiedene Städte.

00:14:07: Katharina Mahrenholtz: Gibt's auch immer noch: ndr.de/lesekreise. Da kann man halt gucken, gibt es einen in meiner Stadt und wenn ja, ist dann 'n Kontakt-Mail-Adresse, dann kann man fragen, ob man da mitmachen kann oder man sagt, in meiner Stadt gibt's keinen. Dann kann man sich da registrieren lassen und sozusagen dann darauf warten, dass sich Menschen melden.

00:14:27: Katharina Mahrenholtz: Und viel, viele Aufrufe laufen auch über Instagram oder manchmal über unseren Newsletter oder bei Veranstaltungen von uns finden sich Menschen, die einen neuen Lesekreis gründen. Und so haben wir inzwischen mehr als zweihundert. Die meisten natürlich in Deutschland, aber es gibt auch welche in Österreich und in der Schweiz, sogar eigentlich London und in Oslo und in, ähm, in Portugal, in Utrecht.

00:14:51: Katharina Mahrenholtz: Also einige sind auch ein bisschen verstreut.

00:14:54: Dr. Stefan: Man hört euch überall, worldwide sozusagen. Ja, worldwide.

00:14:57: Katharina Mahrenholtz: Wir haben neulich 'n Paket bekommen von einem Fan aus Australien. Das Paket war sehr lange unterwegs. Die hat uns T-Shirts geschickt und Bücher. Das war ganz süß. Als es dann endlich ankam, sah auch so aus, als hätte es 'n sehr langen Weg hinter sich, aber es war alles heile.

00:15:13: Katharina Mahrenholtz: Mhm. Aber die dürfen in ihren- Ja, und die treffen sich dann, die Lesekreise. Ähm, die treffen sich dann meistens so einmal im Monat und lesen zusammen ein Buch, reden dadrüber, stellen sich gegenseitig Bücher vor, machen auch teilweise so Ausflüge zusammen. Oder manchmal gibt's in einer Stadt, äh, in Darmstadt zum Beispiel oder in München gibt's mehrere Lesekreise.

00:15:31: Katharina Mahrenholtz: Die, die machen dann paar Mal im Jahr so 'n großes Lesekreis-Treffen mit allen. Das' ganz toll. Gut, aber sie, die dürfen das ganz autonom und autark tun. Die lesen also jetzt nicht die Bücher nach, die ihr in eurem Podcast vorstellt, sondern das ist einfach die Vernetzung der, der Buchinteressierten vor Ort.

00:15:51: Katharina Mahrenholtz: Genau, also die, da, da haben wir keine, keine Maße. Also da haben wir keine Regeln, wie die sich organisieren müssen. Viele lesen die Bücher, die im Podcast waren. Viele haben auch so ähnliche, also so 'ne Dramaturgie. Dann viele kochen auch was oder backen was oder machen dann irgendwie auch mal 'n Quiz oder nehmen so die eine oder andere Anregung mit.

00:16:12: Katharina Mahrenholtz: Manche, die reisen auch oft zu unseren Live-Shows als Lesekreis, so richtig als Reisegruppe. Und also aber inwieweit die dann jedes Mal die neue Podcast-Folge durchdiskutieren, das weiß ich natürlich nicht. Manche schreiben das ja, aber das machen bestimmt nicht alle. Aber genau, das ist eigentlich eher so 'n verbindendes Element, dass die sich halt finden und die gleichen Interessen haben.

00:16:35: Dr. Stefan: Aber ihr kriegt ja auch Feedback, also offenbar, also dass, äh, du in Kontakt bist, immer was erfährst. Also da gibt's ja schon sicher auch 'n Bedürfnis der, der Rückkopplung. Ja, wir machen auch mal, also wir machen tatsächlich auch extra Aktionen für die Lesekreise. Jetzt haben wir gerade aufgerufen, sie sollen sich, sie sollen eine Aktion in ihrem Ort machen, um das Lesen so bisschen zu promoten, zu sagen: „Hey, Lesen ist super."

00:17:02: Katharina Mahrenholtz: Ähm, sollen sie sich irgendeine Aktion ausdenken in der Bibliothek oder draußen auf 'm Marktplatz oder im Buchladen, 'ne Schnitzeljagd, 'n Quiz oder was weiß ich, irgendwas. Fantasie-- der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und dann können sie uns Fotos davon schicken und die drei, die drei schönsten Aktionen gewinnen dann was.

00:17:22: Katharina Mahrenholtz: Also dann, wir machen so einzelne Aktionen extra für Lesekreise. Das machen wir schon. Die kriegen auch von uns 'n Welcome-Paket, wenn sich 'n neuer Lesekreis gebildet hat. Äh, so, ne. Also wir sind dann schon auch Ansprechpartner und manche melden sich mehr, manche melden sich weniger. So 'n Kinderbuchpraxis-Lesekreis find ich auch schön.

00:17:40: Dr. Stefan: Also find ich 'ne gute Idee. Könnt man mal- Warum nicht? Ja. Das war über Kinderbücher, ja. In diesem Sommer habt ihr noch was anderes gemacht. Da habt ihr euch ein bisschen mehr um den unabhängigen Buchhandel gekümmert. Oder beziehungsweise ja, nicht nur um den Buchhandel, sondern auch um die, die Leser*innen.

00:17:56: Katharina Mahrenholtz: Und zwar mit einer, ja, mit einem Explorer-Pass. Man sollte also vor Ort in die Buchhandlung gehen. Also das ist ja noch mal 'ne andere Aktion und noch mal 'n anderer Ansatz. Wie kam's denn dazu? Ja, wir haben einfach im letzten Jahr so viele Mails bekommen von, aus der Community, die geschrieben haben: „Oh, mein Lieblingsbuchladen macht zu, findet keinen Nachfolger.

00:18:20: Katharina Mahrenholtz: Ähm, da schließt wieder 'ne Buchhandlung, habe ich gelesen." Oder Buchhändler haben uns auch geschrieben: „Wir müssen unseren Buchladen leider zumachen." So, das, also das war schon sehr, sehr auffällig und es gab, gab ja dann auch Ende des Jahres so Meldungen, dass es tatsächlich immer schwieriger wird für den unabhängigen Buchhandel.

00:18:37: Katharina Mahrenholtz: Und da haben wir gesagt, da müssen wir irgendwie was machen, weil das sind ja wichtige Orte, sind ja kulturelle Orte, sind ja Orte der Begegnung auch. Das finden wir wichtig, das wollen wir fördern. Und dann haben wir uns mit dem Börsenverein zusammengetan und überlegt, was könnte man machen. Und dann hatte ich halt die Idee, dass wir so 'ne, äh, so 'ne Buchladenexpedition machen.

00:18:55: Katharina Mahrenholtz: Es ist so 'n bisschen so ähnlich wie 'n Bookstore Crawl. Das kennen vielleicht einige, dass man möglichst viele Buchhandlungen besucht und dann, das gab's zum Beispiel in Hamburg mal, dann kann man in jeder 'n Lesezeichen sammeln und zum Schluss ergibt sich irgendwie so 'n Bild aus allen Lesezeichen und wir wollten's aber möglichst niedrigschwellig machen.

00:19:11: Katharina Mahrenholtz: Ich glaub, in Hamburg musste man zwanzig Buchhandlungen oder so besuchen. Das ist natürlich dann eher was für Leute, die sowieso schon viel lesen und viel diese Buchläden besuchen. Wir wollten eben aber auch Leute animieren Nicht nur unabhängige Buchläden zu besuchen, sondern eben auch tatsächlich zu lesen, sich mehr mit Büchern auseinanderzusetzen.

00:19:28: Katharina Mahrenholtz: Deswegen musste man bei uns nur drei Stempel sammeln in diesem Explorer Pass. War so 'n kleiner Pass, der so 'n bisschen aussah wie 'n Reisepass und dann sollte man sich da drei Strem, Stempel holen von drei verschiedenen unabhängigen Buchläden. Das lief auch übern Sommer, weil wir auch konkret dazu aufgerufen haben: „Hey, wenn ihr im Urlaub seid oder mal 'n Ausflug macht, dann guckt doch mal auch in anderen Städten.

00:19:49: Katharina Mahrenholtz: Was gibt's da für tolle Buchläden zu entdecken? Was haben die für Konzepte? Kommt ins Gespräch mit den Buchhändlern und auch mit anderen Kunden." Und dann konnten sie uns Fotos von dem Pass oder den Pass selber zurückschicken und alle eingesandten Pässe haben an einer großen Verlosung teilgenommen und haben dann große Pakete gewonnen.

00:20:12: Katharina Mahrenholtz: Zehn. Und das kam ziemlich gut an, hat man den Eindruck gehabt. Ich glaube, ja. Also die Buchhändler waren auch sehr dankbar, dass wir das gemacht haben, das, weil das ging uns ja auch wirklich auch um Awareness. Die haben auch von uns Plakate bekommen. Die, da stand so drauf, entdeckt uns für e-reads liebt und wir haben auch im Podcast haben wir einige unabhängige Buchläden vorgestellt.

00:20:36: Katharina Mahrenholtz: Wir haben auch bei uns im linearen Programm was dazu gemacht. Also einfach um die Aufmerksamkeit noch mal wieder mehr auf den unabhängigen Buchhandel zu richten, haben auch, äh, halt in Gesprächen, wir haben Interviews gemacht, auch so gefragt: „Was ist denn eigentlich das größte Problem für euch und was ist die größte Freude für euch?

00:20:52: Katharina Mahrenholtz: Warum macht ihr das trotzdem noch?", und so. Also da haben wir ja schon diverse Stimmen zusammengetragen. Es war, glaub ich, auch ganz interessant für viele Leute. Wir haben zum Beispiel auch viele Feedback-Mails aus der Community bekommen, die dann auch teilweise zum Beispiel geschrieben haben, so: „Hey, ich wusste gar nicht, wie schwierig das ist für, für den unabhängigen Buchhandel.

00:21:09: Dr. Stefan: Gut, dass ihr das noch mal so thematisiert hat. Ich hatte ja keine Vorstellung und, äh, ich hab viele Buchläden jetzt entdeckt", und so. Also das war ganz toll. Also wahnsinnig viel positives Feedback bekommen. Ja, glaubst du denn, dass mit so 'nem Podcast, wie ihr den macht, du hast ja auch am Anfang gesagt, dass es ja eher so 'n Gespräch über Bücher in entspannter Atmosphäre sein soll, dass ihr darüber auch Leute erreicht, die ihr wieder zum Buch bringt?

00:21:34: Dr. Stefan: Weil wir reden natürlich branchenweit auch immer 'n bisschen über dieses ganze Thema Lesemüdigkeit. Man liest weniger, man kauft dann entsprechend auch weniger Bücher im Buchhandel ein. Aber kann das, kann das so 'n Podcast schaffen, Menschen da wieder hinzuholen? Also ich glaube ja, weil wir genau solche Rückmeldungen auch bekommen.

00:21:54: Katharina Mahrenholtz: Viele Leute kommen, also gerade bei Veranstaltungen kommen Leute und auch, auch wirklich sehr, sehr leidenschaftlich sagen dann: „Ihr habt mich wieder zum Lesen gebracht." Und wir kriegen auch entsprechende Mails wirklich von Menschen, die sagen: „Ich hatte das irgendwie aus den Augen verloren. Ich hab das früher mal gerne gemacht, hab das lange nicht mehr gemacht und ihr habt mich wieder dazu gebracht, weil das gute Buchempfehlungen sind oder weil sie einfach gerne den Podcast...“

00:22:20: Katharina Mahrenholtz: Es ist ja nicht so, dass man den Podcast hört und hinterher die vier Bücher lesen muss, die wir da vorgestellt haben oder fünf, sondern dass wir einfach darüber reden und allein dadurch auch Anreize schaffen, zu sagen: „Hey, vielleicht mal den Autor sich angucken, die Autorin oder mal dieses neue Genre, also mal 'n neues Genre, was man vielleicht vorher nicht so beachtet hat oder mal selber suchen.

00:22:42: Katharina Mahrenholtz: Also ich glaub, das ist eher, dass man zwei Leuten zuhört, die einigermaßen niedrigschwellig über Bücher reden. Also wir wollen uns ja oft bewusst vom Feuilleton so 'n bisschen absetzen. Also wenn man mal so 'ne Rezension in der Süddeutschen Zeitung liest, wo erst mal in den ersten drei Absätzen irgendwelche random Philosophen zitiert werden, um überhaupt in dieses, in diese- Mal einzusteigen.

00:23:07: Katharina Mahrenholtz: Ja, mal einzusteigen, weil es da halt auch, ja, da geht's, glaub ich, auch um mehr als nur um 'ne Rezension. Das hat ja auch alles seine Berechtigung. Ist ja auch super, aber ich könnte mir schon vorstellen, dass das so in Häkchen normale Leser da auch 'n kleines bisschen abgeschreckt sind. Und es gibt ja auch schon Berührungsängste von Literaturkritikern oder diesem großen Bereich Literaturkritik mit Unterhaltungslek-lektüre.

00:23:34: Katharina Mahrenholtz: Das ist ja kein Geheimnis. Romance zum Beispiel. Das kenn, kenn ich halt auch. Ja, Romance, das kenn ich auch von, von Kollegen. So, also früher, früher war das noch extrem bei uns auch im Radio, wenn man dann gesagt hat, man möchte mal so 'n Unterhaltungsroman rezensieren, da gab's schon 'n bisschen hochgezogene Augenbrauen.

00:23:52: Katharina Mahrenholtz: Ich glaub, das hat sich bei uns im Radio auf jeden Fall total geändert. Die sind dann auch froh, wenn man das macht. Aber so der Standard-Literaturkritiker aus 'm Feuilleton, der hat halt auch nur bestimmte Bücher rezensiert. Das kriegt bestimmt sehr viele böse Mails von solchen Leuten. Ja, aber es gibt ja dann den Unterschied U- und E-Literatur, wie man so sagt.

00:24:11: Mr. Ralf: Ja. Die, die gibt's nach wie vor natürlich auch in den Feuilletons, klar. Man glaubt immer noch, die haben da so Einweghandschuhe liegen, die sie anziehen, wenn sie mal so 'n Romance-Titel anfassen müssen.

00:24:20: Katharina Mahrenholtz: Ja, genau. Ja. Und das, und, und das machen wir halt nicht. Und, also bei uns gibt's wirklich alle Genres. Es gibt auch High-End-Bücher, aber eher, ich, also für uns ist es halt schon wichtig, mm, ja, das ist zum Beispiel was, was ich immer überlege, überlege.

00:24:40: Katharina Mahrenholtz: Also das ist ja Auch 'n Hobby, lesen. Und bei 'nem Hobby möcht ich eigentlich auch Spaß haben, also, oder Freude haben. Spaß und Freude ist ja auch nicht das Gleiche, aber ich kann-- es ist ja auch toll, mal 'n Buch zu lesen, was einem neue Perspektiven aufzeigt, was mal, keine Ahnung, in 'n anderes Land führt oder, äh, also was völlig Neues.

00:25:04: Katharina Mahrenholtz: Das ist ja das Tolle am Lesen. Man kann ja Welten erleben, die man normalerweise nicht erlebt. Man kann ja mehrere Leben leben durchs Lesen. Aber ich möchte mich dabei nicht wahnsinnig dolle anstrengen. Also 'n bisschen schon, aber wenn sich dann, keine Ahnung, wenn's keine Satzzeichen gibt oder wenn sich die Geschichte auf der oberen Seite und auf der unteren Seite teilt, denk ich so: „Leute, nee, dazu hab ich einfach keine Lust.

00:25:30: Katharina Mahrenholtz: Das ist was Schön, wenn ich Germanistik studiere, super, dann mach ich das, aber, aber so für mein Alltagslesen eher nicht.

00:25:36: Dr. Stefan: Wie geht's dir denn damit eigentlich persönlich? Weil wir gehören ja zu der Gruppe, die, sag ich mal, wir fräsen uns, äh, Jahr für Jahr durch Hunderte von Büchern und, ähm, Lesezeit ist Lebenszeit und, äh, jeder, sag ich mal, Controller, dem würde man garantiert nicht sagen: „Du, ähm, deine Excel-Tabellen, das kannst du schon noch in deiner Freizeit lesen.

00:25:54: Katharina Mahrenholtz: Das, äh, machst du jetzt mal nicht, ne. Kannst du auch übers Wochenende machen und dann reden wir drüber. Bei uns ist das letztlich Freizeit. Also du kannst dich nicht hinsetzen in der Redaktion oder bei euch auch in der Redaktion und kannst einfach mal genüsslich lesen, lesen, auch wenn's Hunderte von Büchern sind im Jahr.

00:26:09: Katharina Mahrenholtz: Ähm, gleichzeitig ist es so, dass, ähm, je während wir lesen, manchmal hab ich den Eindruck, wir werden ja auch 'n bisschen ungerechter, weil wenn wir schon so viel gelesen haben, ist es natürlich häufig so, dass man sagt: „Ja, das ist so ähnlich wie das. Ja, kenn ich schon, ja." Also, und dann sind wir beglückt, wenn wir irgendwie mal wieder eins haben, wo wir sagen: „Da bin ich jetzt aber ganz tief eingetaucht und war weg und war begeistert und das war anders."

00:26:34: Dr. Stefan: Wie, wie geht's dir denn bei diesem, als Vielleserin sozusagen, die du ja bist, mit, äh, mit dem Lesen? Ja, genau so wahrscheinlich. Also man ist auf jeden Fall ungeduldiger und auch ungnädiger, glaube ich, als ei, als wenn ich jetzt normal lese. Wenn ich jetzt in 'n Buchladen gehe und lass mich inspirieren und u-überlege, was lese ich denn?

00:26:56: Dr. Stefan: Ach, hier gefällt mir der Klappentext, hier gefällt mir das Cover. Das Buch kaufe ich, zahle ich vierundzwanzig Euro, dann bin ich wahrscheinlich viel gnädiger, wenn es mich nicht hundertprozentig überzeugt. Dann denke ich so: „Ja, aber ich hab ja dafür Geld ausgegeben." Und dann, ne, dann, da liest man einfach anders, als wenn man im Büro...

00:27:18: Dr. Stefan: Wirklich, wir haben so viele Bücher im Büro und man kann sich halt jedes mitnehmen und man weiß, da warten auch noch viele, die ja auch irgendwie alle geprüft werden wollen. Und ich gebe Büchern fünfzig Seiten, wenn sie mich nach fünfzig Seiten nicht überzeugen im Sinne von, ich möchte eigentlich gerne weiterlesen oder irgendwas hat das Buch.

00:27:35: Dr. Stefan: Das sind ja verschiedene Aspekte, die da 'ne Rolle spielen. Das muss ja nicht, das muss jetzt nicht ab, auf Seite fünfzig so spannend sein, dass ich's nicht weglegen kann. F-Fängst du immer vorne an? Weil ich fang nicht immer vorne an. Fängst du immer vorne an? Ich fange in der Regel vorne an, aber ich blätter manchmal auch vor.

00:27:49: Dr. Stefan: Also wenn ich dann, es, es-- Also es gibt verschiedene Situationen. Wär wahrscheinlich bei euch auch so. Man fängt an und langweilt sich sofort. Dann lese ich trotzdem weiter bis Seite fünfzig und wenn ich mich dann immer noch langweile, aber denke so: „Hm, aber irgendwas muss doch passieren", dann blätter ich locker flockig durch und wenn dann irgendwas kommt, fang ich bei Seite fünfzig noch mal an und versuch's noch mal.

00:28:12: Mr. Ralf: Ich steig manchmal auch mitten rein. Das kann sein, mittendrin einfach reingestochen und dann guck ich 'n paar Seiten. Ne, das hab ich noch nie gemacht. Doch, doch, doch. Und dann guck ich 'n paar Seiten und merke, wie ist der Stil, wie ist der... Ah, interessant. Ja, und dann, dann kann ich mich sozusagen, ähm, ähm, manchmal lese ich auch nur ab da weiter und, ähm, äh, dann kann ich den Anfang immer noch lesen.

00:28:29: Katharina Mahrenholtz: So, also, äh, d-das, ähm, um zu prüfen, sozusagen. Das hab ich noch nie gemacht. Fun-fun-funktioniert auch. Funktioniert. Okay. Ich mach das nicht immer, aber das, das passiert auch. Also wenn du ziemlich viel hast, was du lesen musst, Berge sozusagen für Juryarbeiten, dann ist das auch mal 'n probates Mittel, weil dann merkst du schon, kann einer was oder kann einer nix.

00:28:48: Katharina Mahrenholtz: Ah, interessant. Ich fang schon immer am Anfang an. Ja. Ich lese dann manchmal das Ende, ähm Wenn ich jetzt sage so: „Nee, ich glaube, das ist nichts, das Buch." Es gibt ja auch-- Also wir lesen ja ganz viele Bücher, die sind okay, aber die kommen nicht in Podcast. Die sind okay, da bereue ich auch nicht, dass ich die gelesen habe, aber die sind halt nicht, in, in-- Das ist nicht so, wo ich sagen kann: „Das ist 'n Buch, das sollen viele Leute lesen.

00:29:14: Katharina Mahrenholtz: Das ist ganz, ganz toll." Das-- Sie kommen dann halt nicht in Podcast. Das sind so okaye Bücher. Die muss es auch geben. Und- Ja. Genau. Und dann gibt's aber auch manchmal Bücher, die find ich einfach nicht gut. Da merk ich so: „Nee, die sind nicht gut, die möcht ich, da möcht ich eigentlich auch meine Zeit gar nicht mit verbringen", aber ich möchte trotzdem wissen, wie diese eine Sache, die jetzt hier auf 50 Seiten schon angerissen wurde, zu Ende geht.

00:29:36: Katharina Mahrenholtz: Und dann lese ich manchmal das Ende noch.

00:29:39: Dr. Stefan: Zum Schluss müssen wir dich natürlich auch noch fragen, ob du vielleicht, äh, für die Kinderbuchpraxis, ob du ein Kinder- und Ju... oder Jugendbuchtipp, ob du da was- Vielleicht auch ein Kinder- und ein Jugendbuch. Das schaffen wir auch. Genau. Also wo du sagst: „Ah, da hast du ja letztens was, äh, gelesen oder in dem Stapel war was", wo du sagst, bist du begeistert von.

00:29:58: Katharina Mahrenholtz: Ja, also was ich vorhin schon gesagt habe, Kimberly Drew Breakup Bradley. Mir ist jetzt auch der zweite Nachname eingefallen. Gras unter meinen Füßen war der erste Band. Jetzt ist tatsächlich auch noch ein zweiter Band erschienen von diesem Mädchen, was in England den Zweiten Weltkrieg erlebt. Das fand ich unglaublich toll.

00:30:17: Katharina Mahrenholtz: Und der zweite-- Und das passiert, ich lese selten zweite Bände, eben wegen der Menge an Büchern, die wir lesen müssen. Und dann denke ich immer so: „Ja, zweite Bände stelle ich mir wahrscheinlich eh nicht vor", aber in dem Fall habe ich mal angefangen und ich war sofort wieder total drin und total begeistert.

00:30:34: Katharina Mahrenholtz: Über mir der weite Himmel heißt der zweite Band und der ist fast noch besser als der erste. Also es hat mich wirklich sehr begeistert und das haben wir auch im Podcast vorgestellt und da habe ich auch sehr viele Rückmeldungen bekommen von Menschen, Erwachsenen, die es gelesen haben und auch sehr begeistert waren.

00:30:51: Katharina Mahrenholtz: Also das ist wirklich 'ne Empfehlung. Ist ein ganz eigener Schreibstil. Ja, ist ganz eigen. Viele meinten dann, als sie es gelesen hab, hatten: „Boah, aber das ist ja schon ganz schön heftig. Ob das wirklich Kinder ab elf lesen können?" Und dann sage ich immer: „Ja, natürlich. Kinder hören ja auf zu lesen, wenn's zu schlimm ist."

00:31:10: Katharina Mahrenholtz: Ja. Dann lesen, legen sie's weg. Äh, das ist ja, also das ist ja viel besser als bei Filmen, weil man, da ist man ja ganz anders drin und kann möglicherweise nicht ausschalten unbedingt. Bei Büchern habe ich da gar kein Problem. Ich finde, jedes Kind kann in jedem Alter im Grunde jedes Buch lesen.

00:31:27: Katharina Mahrenholtz: Problematisch finde ich es manchmal mit Sex, also mit Sexszenen. Das würde ich nicht-- Also ich würde schon als Eltern die Bücher einmal vorlesen. Also vorher lesen, nicht vorlesen. Und wenn das zu schwierig, also wenn, wenn es da zu sehr zur Sache geht und das passiert aber meistens nur bei Büchern ab sechzehn.

00:31:46: Katharina Mahrenholtz: Also ich glaube, da sind schon die Verlage sehr, ähm, sehr verantwortungsvoll auch. Das heißt, wenn da ab vierzehn steht, ist es auch ab vierzehn okay. Mhm. Habe ich so das Gefühl. Ja. Manches ist spicy. Oder? Ja. Ja, spicy p-- ist eigentlich dann eher ab 16 und, und bei diesen Romance-Titeln, wo teilweise gar keine Altersangabe draufsteht, da kann man manchmal reinfallen.

00:32:11: Katharina Mahrenholtz: Ich hab zum Beispiel Icebreaker gelesen. Oh ja. Das, das steht, das weiß ich gar nicht, was der Verlag geschrieben hat. Also bestimmt nicht ab 14, glaub ich nicht, aber das sieht vom Titel her so aus, als wäre das so 'ne nette, ja, so was mit so Eiskunstlaufen, bisschen Eishockey. So wie, äh, Anna, die jetzt alte Fernsehserie mit der Eiskunstläuferin.

00:32:32: Mr. Ralf: Ja, ist es halt nicht. Nee. Also da denk ich so, das m-müsste, sollte eigentlich niemand unter 18 lesen, finde ich, aus viel, vielen Gründen. Ja, und, äh, genau, also das wär so jetzt so mein Tipp. Ich hätte natürlich noch ganz viele mehr, aber ansonsten gerne auch mal gucken auf der Seite N... Darf ich das sagen? Ja, natürlich darfst du das sagen.

00:32:52: Katharina Mahrenholtz: Ja klar. NDR DE Slash Kinderbücher, Kinderbücher mit UE und da sind wirklich nicht nur Kinderbücher, sondern auch Jugendbücher. Und die fast alle Tipps davon sind von mir und meiner Kollegin Katja Espach, die liest sehr, sehr viele Jugendbücher und auch sehr, also im Sinne von, es kommen manchmal Leute und sagen: „Kann ich nicht auch mal 'n Kinderbuchtipp machen fürs Radio?"

00:33:14: Katharina Mahrenholtz: Und dann sage ich: „Ja, kannst du, aber dann müsstest du erst mal 40 Kinderbücher lesen und dann da die zwei guten, äh, darüber kannst du dann 'n Tipp machen." Genau. Und das möchten, möchten dann doch nicht so viele Leute. Also die liest halt auch sehr viel und- Ja. -dann werden die, die besten landen dann auf, äh, bei uns im Programm beziehungsweise auf der Seite.

00:33:31: Dr. Stefan: Ja, vielen Dank für deine Tipps, die du uns jetzt gegeben hast noch zum Schluss. Vielen Dank für deine Einblicke- Mhm. -in, ähm-

00:33:38: Katharina Mahrenholtz: Sehr gerne.

00:33:39: Dr. Stefan: -deinen Podcast. In eine andere Form von Podcast, die das Lesen fördert. Wir machen's auf unsere Weise für, für unsere Zielgruppe. Und ja, dann vielen, vielen Dank.

00:33:49: Katharina Mahrenholtz: Sehr gerne.

Über diesen Podcast

Der Fachpodcast für Kinderbuch und Jugendbuch! In der Kinderbuchpraxis werden alle Themen rund um Kinder- und Jugendbücher behandelt. Bekannte Autor*innen, Illustrator*innen oder Verleger*innen und viele weitere spannende Gäste kommen in die Praxis zu Mr. Ralf (Ralf Schweikart) und Dr. Stefan (Stefan Hauck). Das ungleiche Duo rückt schon mal aus zum Hausbesuch. Zweimal im Monat erscheint eine neue Folge - am zweiten und am vierten Freitag. #kinderbuch #kinderbücher

von und mit Stefan Hauck und Ralf Schweikart

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